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Gmünder Autorenkreis las Texte von Manfred Ulrich in der Theaterwerkstatt

Wie hemmungsloser Chipsgenuss zu Bauchweh und Schlafstörungen führen kann und wie der hundertjährige Schlaf Dornröschens physikalisch erklärbar ist, das waren Fragen, denen Manfred Ulrich in seinen Prosatexten heiter-​tiefsinnig nachspürte.

Mittwoch, 30. September 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
1 Minute 40 Sekunden Lesedauer

LITERATUR (wil). Der Gmünder Autorenkreis gedachte am Freitagabend mit einer Lesung seiner Texte des verstorbenen Mitglieds. Trotz prominenter Konkurrenz war die Theaterwerkstatt gut gefüllt, als das Duo Jabadao musikalisch den Abend eröffnete. Ihre Folksongs und Gospels, ihre Weisen aus vergangenen Jahrhunderten spiegeln oft die Seele wider und so waren Monika und Dieter Hartmann die ideale musikalische Ergänzung zu Manfred Ulrichs Texten.
Auch er schilderte immer sehr detailgenau, feinfühlig und einfühlsam und auf den Punkt präzise das Umfeld seiner Geschichten, ließ in die Gedanken seiner Akteure blicken und verblüffte oft mit einer unerwarteten Pointe.
Egal, welches Stilmittel er einsetzte, ob Wiederholung oder Kindersprache, es traf die Situation, ließ die literarische Feinarbeit dahinter erkennen. Olaf Paplowski, ein persönlicher Freund des Autors und Signe Sellke, Monika Mohr-​Mühleisen und Gerhard Sedding vom Gmünder Autorenkreis trugen in anderthalb Stunden eine Auswahl von vier Gedichten und sieben Prosatexten vor. Untergründige Heiterkeit enthält die Geschichte vom „Eisernen Conny“, jenem Denkmal eines Haudegens, der schon im 17. Jahrhundert der täglichen Körperpflege frönte und nun erleben muss, dass aus Sparsamkeitsgründen seine Statue nur noch einmal jährlich gesäubert werden soll. Recht eigenwillig auch Ulrichs Gedanken zur Dornröschenforschung und der Verortung des Schlosses in unserer heutigen Welt und Zeit.
Doch neben aller Heiterkeit prägt nachdenklich Stimmendes viele der Texte von Manfred Ulrich. Seine Menschlein-​Geschichten, die von Olaf Paplowski vorgetragen wurden, verbergen hinter oft einfachster Wortwahl und Syntax tiefe philosophische Gedanken.
Vor dem universalen Hintergrund wird das Menschlein so klein, so unsicher und doch sorgfältig eingebettet in das Universum, dass es wieder einmalig und großartig wird. Denn was geschieht mit unseren ungedachten Gedanken? Wo bleibt das Resultat, wenn der Denker zum Träumer wird und vor lauter Begeisterung über seine Einfälle einfach einschläft? Oft sind es die kleinen Dinge, die Ulrich trefflich beschrieb: sich Gedanken machen über das Wohlbefinden eines anderen, dem man kurz begegnete; das Philosophieren über die globale Bedeutung eines Mückenstiches.
In seiner Beweglichkeit eingeschränkt avancierte Manfred Ulrich zum Träumer, ließ seine Gedanken fliegen. Wenn einer etwas nicht kann, das allen anderen selbstverständlich ist, wie soll er damit umgehen? Habakuckuck findet seinen eigenen Weg nach „irgendwo im Süden“. Der Autor Manfred Ulrich fand seinen Platz im Leben mit Hilfe der Literatur, mit seinen Gedichten und Prosatexten, die der Autorenkreis bewahrt.

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