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» Kultur | Samstag, 25. September 2010

Klaus Fischers Menschenbilder im Gmünder Landratsamt auf dem Hardt

Eines der Gemälde Klaus Fischers kann gleich länger bleiben, als die Ausstellung dauert: Eine Gruppe von Wartenden. Ob als einzelne oder in Gruppen, ob Individuum oder Masse, dem Aalener Maler geht es stets um Menschen.

AUSSTELLUNG (rw). Mit nichts beschäftigt sich der Mensch so gerne und so ausführlich wie mit seinesgleichen. Er ist ein zoon politikon, er kann nicht ohne die anderen existieren, ein Gesellschaftswesen, das sich zugleich als Einzelner abgrenzt. Dazu in der Lage zu sein, setzt allerdings eine Gesellschaft und ein Menschenbild voraus, welche die Entfaltung von Individualität als Wert ansehen und ermöglichen – eine bürgerliche Gesellschaft, die das Erbe der Aufklärung hütet.
In diesem Sinne betreibt Klaus Fischer Gesellschaftsmalerei, und der erste Eindruck trügt nicht: Hinter diesen Akten, diesen Porträts und Gruppenbildern Treppen steigender, wartender und gehender Menschen steckt mehr.
Im Aalener Kunstverein hat der 51 – Jährige schon mehrfach ausgestellt, das Forum Kunstförderung des Landkreises bringt ihn jetzt nach Schwäbisch Gmünd – nicht in eine Galerie, aber ins Landratsamt auf dem Hardt, dessen Flure und Kfz-​Zulassungsstelle immer wieder mal als Schauräume der zeitgenössischen Ostalb-​Kunst dienen. Möglich, dass dabei schon bei manchem, der nur die karge Graphik seines Nummernschildes im Sinn hatte, eine Leidenschaft für Kunst geweckt wurde. In den Wartenden, Acryl auf Leinwand, kann er seine Existenz widerspiegelt finden – oder besser nicht, wie Klaus Pavel in der Begrüßung am Donnerstagabend meinte: Es soll ja gerade keiner warten müssen. Dieses Bild, sagte der Landrat ad hoc zu, erwirbt der Ostalbkreis für seine Sammlung.
Der 51-​jährige Aalener Klaus Fischer studierte in Stuttgart Architektur und ging diesem Beruf lange nach, seit 2003 ist er freischaffender Maler. Bei Xenia Hausner in Salzburg übte er die Menschenbild-​Malerei ein. Sein Generalthema ist titelgebend: „Figur im Raum“. Dabei pflegt er einen zurückgenommenen Realismus, etwas Prototypisches liegt in seinen Figuren. Fischer legt sich nicht fest, weder in seinen Räumen — sie sind nur angedeutet — noch in den Aktfiguren und den Physiognomien der Porträts. Individualität ist erkennbar, aber nicht in allen Einzelheiten ausgeführt, und die geläufig angewandte Syntax der Malerei — Farbe, Form, Hell-​Dunkel, Licht und Schatten — wird hier zum Vexierspiel. Seine Menschen sind Licht– und Schattenwesen zugleich, die sich mit ihrer Freiheit auseinandersetzen müssen.
Artur Elmer, der Vorsitzende des Aalener Kunstvereins, wies darauf hin, dass sich Klaus Fischer dezidiert auf einen süddeutschen Maler bezieht, der das Menschenbild der Aufklärung im 18. Jahrhundert mit formte: Franz Xaver Messerschmidt. Dieser spürte dem individuellen Ausdruck der Gefühle nach und setzte die Kunst als Erkenntnismittel ein: „Wir können mit der Kunst sehr viel über unser Wesen und unsere Welt erfahren. Die Macht des Bildes übersteigt die Macht des Wortes bei weitem“, ruft Elmer in Erinnerung. Fischer geht den Weg der elementaren Expression, stellt Grundkonstellationen dar: Trauer, Freude, Furcht, immer in Verbindung mit dem Rätsel des Daseins: Woher, wohin, wozu — weshalb diese Figuren so oft in momentan stillgestellter Bewegung zu sein scheinen. Als Einzelne, in der Menge, verwischt und verweht von der Zeit, aber als sich den Raum aneignende Wesen immer da und auf das Erkennen ihrer selbst und ihrer Welt aus. Freiheit ist ein Wagnis, sagen diese Bilder. Ob sie uns zur Verzweiflung treibt oder unser Glück ist — den Mut, uns des eigenen Verstandes zu bedienen, müssen wir haben.

Klaus Fischer: „Figur im Raum“.
Ausstellung im Landratsamt, Schwäbisch Gmünd-​Hardt, Oberbettringer Straße 166. Dauer bis 5. November.
Zeiten: Mo-​Mi 814 Uhr;
Do 817.30 Uhr; Fr 811.30 Uhr

 

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