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Lokalnachrichten

» Kultur | Freitag, 11. Januar 2013

Ach die Schwabenseele: Werner Koczwara und Ernst Mantel

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Mit bekannten Parodien, aber auch mit brandaktuellen Texten und Einschüben erfüllten Ernst Mantel und Werner Koczwara ihre Aufgabe als Vereinigtes Lachwerk Süd wieder einmal aufs Vortrefflichste.

KABARETT (wil). Ob Alltägliches beim Heimwerker oder moderne Trends im Lifestyle, zu allem hatten sie etwas zu sagen oder zu singen. Vollbesetzt war der Predigersaal am Donnerstag bei der Kleinkunstreihe-​Veranstaltung mit den beiden Lokalmatadoren Werner Koczwara und Ernst Mantel, die sich als Vereinigtes Lachwerk Süd nicht nur bestens ergänzten und zuarbeiteten, sondern auch mit ihren Text– und Gesangsbeiträgen für eine wohltuende Mischung sorgten.
Da waren Alltagsszenen, wie sie jeder kennt, die aber von Ernst Mantel locker in die Melodie großer Welthits verpackt wurden. Das spanische Liebeslied Besame mucho wird zur Heimwerkerklage: „Besser net, lass nur, des tut scho’“ und aus Blue Spanish Eyes wird der Ehekrach „Du schwätzst en Scheiß“. Der Sinatra-​Hit „Something stupid“ wird textlich ebenso neu unterlegt wie der bekannte Schwarzwurstring nach Jingle Bells klingt. Es ist die schwäbische Seele, die sowohl bei Mantel wie auch bei Koczwara immer durchscheint, und die Fleiß und Sparsamkeit propagiert, aber auch von Gemütlichkeit und Tüftlergeist durchdrungen ist.
So ist ihr Held natürlich ein Bausparer, eigentlich die beste Partie für jedes Mädchen und wenn es mal nicht so klappt, dann kommt sie eben aus „Scheißebach“. Fast schon makaber gibt sich Werner Koczwara in seinem Auftritt als Trauerbeauftragter der Landesbank, der die verschuldeten Selbstmörder auf ihrem letzten Weg begleitet, den finalen Kontostand in die Kranzschleife gestanzt und der den Angehörigen klar macht, dass es nicht nur ein Leben nach dem Tode gibt sondern auch Verzugszinsen und Kontogebühren. Nur einen Schritt weiter liegt die nächste gesellschaftskritische Falle, das Vordringen der Anglizismen in unsere deutsche Sprache, die Ernst Mantel im Gespräch mit der Lehrerin seiner Youngsters Cedric und Kimberley aufs Korn nimmt.
Natürlich sei auch er dafür, dass Deutsch mehr supported wird, aber die Lehrerin solle sich etwas relaxter zeigen. Erziehungsschwierigkeiten kennen aber nicht nur Eltern, auch Großväter sind manchmal mit ihren Enkeln überfordert, so wie Anthony Stollenmayers Opa, der den überfütterten und verzogenen Balg zum Arzt schleppt. Aus der Sicht des geduldigen schwäbischen Großvaters heraus erzählt, kann sich der Hörer vorstellen, was so alles im Warte– und Sprechzimmer passiert.
Werner Koczwara trug seine Texte vor allem in der Rolle des Dr. Thaddäus Schwoben-​Seggel vor. Von Charakteristiken typischer Mitbürger über die Teletext– Umfragen, wo Leute für teures Geld anrufen, um mit „weiß nicht“ zu stimmen — für den Schwaben eine unvorstellbare Verschwendung — kommt er zur Frage nach dem Universum und den Kosten für die Erforschung desselben, nimmt mit der ihm eigenen Präzision die wissenschaftlichen Feinheiten aufs Korn und landet bei der Ansiedelung des Wolfes in Meck-​Pomm, der natürlich in der Wilhelma auch billiger zu halten sei.
Gespickt mit Seitenhieben — auch auf Seitenbacher, die Anti-​Werbung schlechthin — geht es in rasantem Tempo durch die Gegenwartsgesellschaft, die das Erbgut der Menschen jetzt total entschlüsselt habe und das Tarifsystem der deutschen Bahn in Ansätzen. Den Umweltschutzbestimmungen über das Fällen von Grünpflanzen setzt der Rechtsanwaltversteher „gebt mir Biber“ entgegen und den Umweltaktivisten rät er zum „symbolischen Einfrieren gegen die Polschmelze“.
Fitness-​Wahn im Alter und Vegetarier, für jeden ist etwas dabei und was er nicht sagen will, das wird gesungen. Al Martino wechselt sich mit Roxette und Toto ab, bis Rammsteins Engel zum Selbstlob des Schwaben wird und sich YMCA zum ADAC wandelt, das mit einem finalen Ade-​AC den lachintensiven Abend beschließt.

 

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