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Marginalie: Wenn der Postmann zweimal klingelt

Grafik: RZ /​Foto: gbr

„Süßer die Glocken nie klingeln“ — wohl niemand hat gezählt, wie oft dieses bekannte Lied dieses Jahr wieder beim Bummeln über den Gmünder Weihnachtsmarkt oder als Hintergrundmusik in Geschäften zu hören war. Angesichts des fortschreitenden Online-​Handels sollte es davon eine moderne Text-​Variante geben: „Nerviger der Postbote nie klingelt!“ Damit befassen sich diese Woche die „Marginalien“ der Rems-​Zeitung, die Sie hier online und in voller Länge lesen können!

Sonntag, 01. Januar 2023
Alexander Gässler
2 Minuten 46 Sekunden Lesedauer

„Wenn der Postmann zweimal klingelt“ – bei einer Generation von RZ-​Leserinnen und Lesern klingelt es beim Zitat dieser fünf Worte. Es wird die Erinnerung wach an den 1981 skandalösen Hollywood-​Film mit Jack Nicholson und Jessica Lange.Bei so manchen aus jener Altergruppe klingelt es dann gleich nochmals im Gehirn: Stichwort „Küchentisch“. Selbst bei Leuten, die diesen Film nie gesehen haben – der Autor dieser Zeilen gehört übrigens dazu – funktioniert diese Assoziation, weil über jene Filmszene damals sehr viel geschrieben und gesprochen wurde. Was das alles mit einem Briefträger zu tun hat, blieb dagegen so manchem bis heute schleierhaft.
40 Jahre später hat man sich in den meisten Haushalten daran gewöhnt, dass der Postmann an manchen Tagen nicht nur zweimal, sondern noch öfter klingelt. Mit Vorliebe natürlich dann, wenn man in der Küche gerade dabei ist, ein Steak perfekt auf den Punkt zu braten, unter der Dusche steht oder als Schichtarbeiter versucht, tagsüber eine Stunde Schlaf heraus zu schinden. Vermutlich ist es eine Sinnestäuschung, aber es drängt sich das Gefühl auf, dass jener Berufsstand, der für die Zustellung von Briefen, Päckchen und Paketen sorgt, irgendwie anders klingelt, als zum Beispiel die Nachbarin, die danach fragt, ob man ein Paket Zucker ausleihen könnte. Oder der alte Kumpel, den man ewig nicht mehr gesehen hat und der einen Besuch bei seinem schwerkranken Onkel nun damit verbindet, noch ein paar andere Stationen in der Gegend abzuklappern.
Nicht zuletzt kurz vor Weihnachten häufen sich sich alle drei dieser Klingelvarianten. Am allermeisten aber jene Kategorie, die wir am treffendsten in die Rubriken „lästig“ und „nervig“ einsortieren können. Warum das so ist? Man ist, wie oben schon beschrieben, gerade eigentlich unabkömmlich oder (noch) nicht salonfähig, als wieder jener penetrante Klingelton im Korridor aktiviert wird. Für die Hunde im Haus ein willkommenes Signal, um Herrchen und Frauchen durch lautes Kläffen zu vermelden, dass sie als vierbeinige Security-​Experten den Postboten (ohnehin ja ein „Erbfeind“ der biologischen Spezies „Canis lupus familiaris“) bemerkt haben.
Also zuerst die Fellnasen ruhig stellen, am besten kurz in ein Zimmer sperren, dann die Treppe runter, um die Dame oder den Herrn in der sportlichen blau-​gelben Uniform zu begrüßen und mit ein paar höflichen Dankesworten ein Päckchen entgegenzunehmen, dass man selbst garantiert nicht bestellt hat. Dafür ist im Haus nämlich eine Generation zuständig, die noch nicht mal geplant geschweige denn geboren war, als jener Postmann im Kino zweimal geklingelt hat.
Was es wohl dieses Mal ist? Vielleicht ein Kleidungsstück, ein Parfum-​Fläschchen oder ein neues Hundehalsband mit elektronisch geregelter Blink-​Funktion, die aus einen ganz normalen Haushund bei Nacht optisch ein amerikanisches Polizeiauto macht? Seit jemand aus der Hausgemeinschaft entdeckt hat, dass man sich sogar sämtliche Zutaten für ein Essen portionsweise konfektioniert und mit exakter Kochanleitung liefern lassen kann, darf der Postmann noch etwas häufiger klingeln – und die Hunde haben entsprechend noch häufiger einen Anlass, um ein lautstarkes Theater aufzuführen.
Angesichts der vielen Sendungen (inklusive damit verbundener Transportwege sowie Verpackung, Umverpackung und Beipackmaterial zum Schutz der Waren) macht man sich seine Gedanken, ob diese Paketflut wirklich so klimafreundlich ist, wie es Protagonisten des Online-​Handels einem werbewirksam glaubhaft machen wollen. Oder wäre es nicht doch viel besser, es würde – statt auf diese nervige Art an der Haustür – wieder öfter in der Kasse des örtlichen Handels klingeln? (pilatus)

Neben dieser Rubrik „Marginalien“ finden Sie in der Silvester-​Ausgabe (31.Dezember 2022) der Rems-​Zeitung noch sehr viel anderen und sehr interessanten Lesestoff — unter anderem unseren Jahresrückblick. Wenn Sie keine gedruckte Ausgabe zur Hand haben, können Sie die Zeitung dennoch lesen — denn es gibt sie rund um die Uhr in der digitalen Variante im ikiosk!

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