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Nach fast 30 Jahren gibt Hans Kloss aus Enttäuschung über mangelnde Wertschätzung sein Gemeinderatsmandat in Lorch zurück

„Ich hatte mir meinen Abschied aus dem Gemeinderat eigentlich anders vorgestellt“, räumte Hans Kloss gegenüber der Rems-​Zeitung ein. Nach nur einer Sitzung in der neuen Legislaturperiode zieht sich der langjährige SPD–Stadtrat aus dem Gemeinderat zurück. Die Mehrheit des Gremiums wisse seine Kreativität nicht zu schätzen; daher bringe er sich dort ein, wo dies willkommen sei.

Dienstag, 27. Oktober 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 15 Sekunden Lesedauer

Von Gerold Bauer
LORCH. Hans Kloss ist nicht irgendein Stadtrat, sondern eine sehr profilierte Persönlichkeit in Lorch. Vor allem wenn es um gestalterische Dinge ging, aber auch im Bereich Fremdenverkehr war er immer wieder der kreative Geist seiner Fraktion. Doch damit ist nun Schluss, denn Kloss hat bei der Stadtverwaltung schon seinen Rücktritt eingereicht.
„Es ist ein Rückzug unter Protest und Ausdruck meiner maßlosen Enttäuschung“, kommentierte er seine Entscheidung im Gespräch mit der Rems-​Zeitung. Seit 1982 habe er engagiert die Stadtsanierung vorangetrieben, „und ich hätte dies auch gerne noch weitere zehn Jahre getan“. Ausschlaggebend für seinen Rückzug schon so kurz nach seiner Wiederwahl war nach eigenem Bekunden die jüngste Klausurtagung. Da dies eine nichtöffentliche Beratung war, wolle er nicht auf Inhalte eingehen, doch es sei ihm deutlich geworden, dass die Mehrheit offenbar an seinen praktikablen und bezahlbaren Vorschlägen kein Interesse habe. Dies gelte auch für den Bürgermeister. „Daher möchte ich meine Kreativität an anderer Stelle nutzbringend einsetzen“, kündigte Hans Kloss mit dem Verweis auf mehrere aktuelle künstlerische Projekte an.
Bürgermeister Karl Bühler bestätigte, dass er das Rücktrittsgesuch von Hans Kloss erhalten habe und dies in der nächsten Sitzung dem Gemeinderat vorlegen werde. Zu der Kritik von Kloss wolle er sich inhaltlich nicht äußern, sagte das Lorcher Stadtoberhaupt. Der prädestinierte Nachrücker sei der frühere Feuerwehrkommandant und Altersgenosse von Kloss, Hartmut Rath. Während Kloss bei der Wahl 1843 Stimmen bekommen hatte, wählten 1127 Lorcher Hartmut Rath.
Manfred Schramm, Vorsitzender der SPD–Fraktion, brachte sein Bedauern über den Rückzug seines Fraktionskollegen ein. „Gerade seine oft andere Betrachtungsweise als Künstler hat uns oft wertvolle Impulse gegeben“. In den aktuellen Vorschlägen der SPD stecke viel Herzblut von Hans Kloss, fügte Schramm hinzu. „Wir haben daher alles versucht, um ihn umzustimmen, doch es ist uns nicht gelungen“, so Schramm. Nachrücker Hartmut Rath (in früheren Jahren schon Mitglied des Lorcher Gemeinderats) habe signalisiert, dass er bereit zum Einzug ins Gremium sei.
Völlig überrascht war gestern der CDU–Fraktionschef Gerhard Hackner: „Hans Kloss ist der dienstälteste Lorcher Stadtrat und hat schon viele gute Ideen zum Wohle von Lorch eingebracht. Ich habe es nie so empfunden, als dass seine Ideen im Gemeinderat hinunter gebügelt wurden“. Dass sich nicht jede Idee 1:1 umsetzen lasse, sondern sich oft erst in einer offenen Diskussion die ideale Lösung entwickle, sei ein normaler und richtiger Vorgang in einer Demokratie, so Hackner.
Auch Heinz-​Joachim Herzig würdige auf Anfrage der Rems-​Zeitung gestern die Verdienste von Hans Kloss (zum Beispiel das viel beachtete „Rundbild“ im Kloster) und brachte wie Hackner zum Ausdruck, dass er die Gründe für den plötzlichen Rückzug von Hans Kloss und dessen tiefe Enttäuschung nicht nachvollziehen könne. Man stehe doch erst ganz am Anfang der neuen Legislaturperiode und angesichts der völlig ungewissen finanziellen Zukunft könne man jetzt noch überhaupt nicht sagen, welche Projekte überhaupt realisierbar seien.

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