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Volkstrauertag in Heubach und Lautern mit Gottesdienst, Reden, Spielszenen und Kranzniederlegungen gefeiert

Am Volkstrauertag fand die gemeinsame Feierstunde für Heubach und Lautern heuer in der Kirche Mariä-​Himmelfahrt in Lautern im Rahmen eines ansprechenden und bewegenden ökumenischen Gottesdienstes. Auf dem Heubacher Friedhof wurde ein Kranz zum Gedenken an die Kriegsopfer und als Mahnung niedergelegt. Von Karin Abele

Montag, 16. November 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 50 Sekunden Lesedauer

HEUBACH. Die Feierstunde in Lautern stand unter dem Motto „Wer Hilfe gibt, Verzeihung schenkt, Unrecht spürt, Mauern überwindet schafft Frieden“. Bei der Kranzniederlegung auf dem Friedhof in Heubach stellte Bürgermeister Klaus Maier die Fragen: Hat unser Volk aus diesen Feiern gelernt? Haben diese Feiern einen Wert an sich? Als positive Beispiele nannte Maier die Stuttgarter Erklärung von 1950 (dies ist die feierliche Erklärung der ostdeutschen Landsmannschaften zum Verzicht auf Rache und Vergeltung) sowie den in diesen Tagen gefeierten Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren.
Nach einem feierlichen Prelude (selbständiges Instrumentalstück) der Bläsergruppe des Musikvereins Lautern zogen die Schüler der vierten Klasse der Breulingschule in die Kirche ein, entzündeten die Osterkerze und sprachen ein Friedenslied. Bürgermeister Klaus Maier nannte den Volkstrauertag „einen Tag des Friedens und der Versöhnung“. Er meinte damit Hass, Krieg und Vertreibung nicht geschehen, sei das Bemühen um Frieden und Versöhnung immer aktuell. Er hoffe, dass auch dieses Fest wieder einen ganz, ganz kleinen Schritt zur Versöhnung beiträgt. Pfarrer Rudolf Spieth sagte nach dem Lied „Streets of London“, gesungen von Nadine Grau, es falle einem schwer etwas zu sagen, nachdem eine so wunderschöne Stimme gesungen hat. Für viele jüngere Menschen sei diese Feierstunde fragwürdig geworden. Dieser ökumenische Gottesdienst wolle daher gemeinsam etwas tun für Frieden und Versöhnung. Denn der Fall der Mauer sei ermöglicht durch eine christliche Vision, bei der dafür gebetet wurde.
Die Jugendinitiative Lautern machte sich Gedanken zum Thema „20 Jahre Fall der Mauer in Berlin“. Auch heute noch gebe es überall Mauern zwischen Nachbarn, Jungen und Alten, Deutschen und Ausländern, zwischen den christlichen Konfessionen, Christen und Muslime, den Religionen auf der Welt, Arm und Reich. Mauern, die uns daran hindern auf den Nächsten zu zu gehen, zu helfen wo unsere Hilfe gebraucht wird, zu verstehen, wo unser Verständnis gut tut zu geben, wo wenig ist, diese Mauer müssen wir überwinden und zum Einsturz bringen. Diese mit großen Kartons gebaute „Mauer“ stürzten die Jugendlichen dann sehr anschaulich ein.
Zur Schriftlesung las der ev. Pfarrer Rudolf Spieth die Seligpreisungen nach Matthäus. Diakon Dr. Wolfgang Rube meinte, mit dem Wissen der Vergangenheit könne man sich der Zukunft zuwenden. Dass die Berliner Mauer bereits seit 20 Jahren ausgedient habe, dafür sei eine Erklärung, dass die Menschen die Zeichen der Zeit erkannt haben, die kleinen Bewegungen an verschieden Orten zu dieser großen Bewegung wurden und Einzelne den Mut (und vielleicht auch die Wut) dazu hatten. „Wir sind das Volk“ ist als Zeichen der Volkssouveränität zu sehen.
Der Geistliche machte den unterschied deutlich zwischen schützenden und ausgrenzenden Mauern. An den zerbombten Häusern erkenne man auch die Schutzlosigkeit. Keine Mauer sei für die Ewigkeit geschaffen. Auch EU habe Grenzen. und mit Flüchtlingen überfüllte Boote rütteln an der „Festung Europa“. Viele kommen in oft lebensbedrohlichem Zustand und hoffnungsvoll von Nordafrika, um dann wieder zurückgeschickt zu werden. 1816 bis 1817 herrschte auch in Württemberg große Hungersnot. Danach sind viele ins Ungewisse gezogen, nicht aus Abenteuerlust, sondern aus purer Not. Heute wären sie wohl Wirtschaftsflüchtlinge. Die humanitäre Katastrophe der Flüchtlingslager werde von Regierungen ignoriert. Bedenkenswert sei jedoch, dass wir von der wirtschaftlichen Not profitieren.
Einfache Lösungen gebe es nicht. aber Mauern entstehen in den Köpfen, auch durch Tradition und Erziehung. Mauern bieten Halt und ermöglichen uns, Handeln zu können. Wir wissen alle, was passieren kann, wenn mehrere Bereiche bei einem Menschen ins Wanken geraten. Der Fall der Mauern beginne in den Köpfen. „Wir entscheiden mit unserm Verhalten, wir haben die Wahl, wenn wir es wollen.“
Der Antwortruf auf die Fürbitten der Schüler lautete: „Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.“ Nach dem Segen zogen die Vereinsfahnen voraus zum Kriegerdenkmal, gefolgt von den Schülern. Hort Ortwein,. Kirchengemeinderat der ev. St. Ulrichs Kirche Heubach, sprach das Gebet „Mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens. Die Bläsergruppe des Musikverein umrahmte das Gedenken an die Opfer.

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