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„Gmünder Epos“ entsteht in der Grät

SCHWÄBISCH GMÜND (rw). „Gemalt hätte ich sowieso“, sagt der Künstler Hans Kloss auf die Frage, wer dieses Großprojekt denn finanziere. Die Vorleistung ist also gewissermaßen geschenkt, aber natürlich hofft der Künstler, dass die Gmünder dauerhaft Gefallen finden an seinem „Gmünder Epos“ — zwölf großformatige Gemälde mit Themen aus der Stadtgeschichte. Stoff aus fast 1000 Jahren bietet sich dem Maler genug an. Er will ihn in Öl auf Leinwände vom Format 170 auf 120 Zentimeter bringen.

Samstag, 02. Mai 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
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„Tolle Idee“, findet Oberbürgermeister Wolfgang Leidig, der vor allem das Stadtjubiläum der urkundlichen Ersterwähnung Gmünd vor 850 Jahren 2012 im Blick hat: „Es ist eine Rückversicherung der Geschichte, es hat einen Ortsbezug.“ Sogar einen ganz direkten: die Grät ist eines der ganz alten Häuser der Stadt, ihr Fachwerk ruht auf staufischen Buckelquadern, „und die städtische Schatzkammer befand sich darin, wenn sie heute auch leer ist“, wie Hans Kloss anfügt, dem ein Geschichts-​Schauer über den Rücken läuft, wenn er daran denkt, dass die Gebeine der heiligen Drei Könige auf ihrem Weg in den Kölner Dom dort eine Nacht lang untergebracht gewesen sein könnten — auch so eine Szene, die sich der Verbildlichung fügen würde, wenn sie nicht schon als Relief an der Grät angebracht wäre.
Bei soviel Enthusiasmus will das Stadtoberhaupt nicht zurückstehen: Wenn der Künstler schon zu solchem Werk bereit sei, dann solle dies auch in einem adäquaten Rahmen geschehen — Kloss darf im rückwärtigen Teil der Grät ein halböffentliches Atelier einrichten, wo man dem Maler über die Schulter schauen kann, nicht immer natürlich — schließlich muss er arbeiten -, aber wenigstens an den Markttagen.Offizieller Startschuss war mit der Bekanntgabe am Donnerstag; es wird aber noch eine Woche dauern, bis Hans Kloss einzieht, Boden und Wände seines Raumes werden renoviert, ein Blendschutz an den Fenstern angebracht. Und dann braucht der Maler ein paar ruhige Wochen, damit er den prospektiven Besuchern etwas vorzuweisen hat. Dass sein Gmünder Bilderzyklus publikumsträchtig wird, steht für Kloss außer Frage. Er erinnert daran, dass sein Staufer-​Rundbild im Kloster Lorch mittlerweile von 350000 Besuchern betrachtet wurde. Vorweg will er Vorzeichnungen anfertigen, die als Grafiken reproduziert werden. Mit einer dreijährigen Arbeitszeit rechnet der 70-​jährige Maler, weiteres könne aber noch bis zur Landesgartenschau 2014 hinzukommen.
Zu erwarten ist ein Figurengewimmel und ein eher anekdotisch ausgerichtetes Geschichtsverständnis, daraus macht der Künstler keinen Hehl. Diesen Merkmalen verdanken seine Bilder schließlich ihre Popularität, und verbiegen will er sich auch nicht: „Ich kann nicht von einer Stilrichtung in die andere wechseln. Ich kann nur ich bleiben.“ Also: es geht um den Münsterbau, um Gotteszell, um Baldung und Ratgeb, um den Salvator, um Barbarossa, das Geigerle, die Vollendung der Stadtmauer. Neben das Erbauliche und Idyllische tritt das Schlimme und Katastrophale: Hexenverfolgung, Wiedertäufer-​Hinrichtung, Brände, Münstertürme-​Einsturz. Aber gemach: Alles schon so lange her, dass es nicht mehr wehtut. Kloss: „Ich male das. Am Ende erhält die Stadt die Option, ob sie die Bilder haben will oder nicht.“

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