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„Im Sinne der Fahrgäste für Alternative“

„Wir wollen uns nicht politisch positionieren, sondern aus praktischer Sicht, aus ökonomischer und ökologischer Überzeugung und ganz besonders im Sinne unserer Fahrgäste für das Konzept der alternativen Verkehrsführung mit einer Unterführung am Bahnhof aussprechen“, so die zusammenfassende Aussage bei Stadtbus Gmünd zur aktuellen Diskussion über die Landesgartenschau-​Verkehrsplanung.

Dienstag, 05. Mai 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Warum die gewiss gewichtige Stellungnahme des größten Gmünder ÖPNV–Unternehmens jetzt erst kommt? Geschäftsführer Albert Abt, Betriebsleiter Dirk Masanetz und Rechtsanwalt Dr. Otto Stegmaier erklären hierzu einerseits: Schon mit einem vierseitigen Schreiben vom 12. September 2007 direkt an Oberbürgermeister Wolfgang Leidig habe das Stadtbus-​Unternehmen die Besorgnis angesichts des Verkehrskonzeptes eines auswärtigen Planungsbüros und von offenbar fixierten Aussagen von Baubürgermeister Hans Frieser zum Ausdruck gebracht. Leider sei dieses Schreiben durch den OB bis heute nicht beantwortet worden. Auch habe sich die Hoffnung des ÖPNV–Unternehmens zerschlagen, dass dieses Schreiben Grundlage für die weitere Entscheidungsfindung im Gemeinderat werde. Andererseits, so die Erklärung der Stadtbus-​Verantwortlichen für das bisherige öffentliche Schweigen, sei der Umstand gewesen, dass in all den vielen Gesprächen, Verhandlungen und Begegnungen mit Bürgermeister Frieser die bisherige Verkehrsplanung der Stadt für Bahnhofsbereich sowie für Robert-​von-​Ostertag-​Straße und Ausbau Kroatenbrücke als unumstößlich deklariert worden sei, so dass man sich dem gefügt habe. Stadtbus Gmünd habe leider auch zur Kenntnis nehmen müssen, dass die ÖPNV- und Verkehrspraktiker des Unternehmens noch niemals eingeladen worden seien, um Kritik und Anregungen direkt im Gemeinderat vortragen zu können. Betriebsleiter Dirk Masanetz will ganz dick unterstrichen wissen: „Wir sind nicht gegen die Landesgartenschau. Ganz im Gegenteil. Sie ist dringend notwendig, um einige Gmünder Probleme zu lösen.“ Doch das vom Gemeinderat im Vorentwurf hierfür beschriebene Verkehrskonzept wäre ein „Schlag gegen den ÖPNV“ und ein „GAU (Größter anzunehmender Unfall) fürs Verkehrsgeschehen in Gmünd allgemein.“ Es sei ehrenhaft, dass sich nun immer mehr Stadträte positiv mit dem Vorschlag der Planungsgruppe Alternative Verkehrsführung befassen und sich von sachkundigen Bürgern eines Besseren belehren lassen. Was die befürchteten Mehrkosten für die alternative Straßenunterführung anbelangt, macht Stadtbus-​Betriebsleiter Dirk Masanetz eine simple Rechnung auf: Auf den Bau der umstrittenen Kroatenbrücke verzichten und für dieses Geld eine optimale Lösung im Bahnhofsbereich schaffen. Optimal heißt für das Stadtbus-​Unternehmen vor allem: Bewahrung der jetzigen Situation eines verkehrsberuhigten, sicheren Bahnhofsvorplatzes. Für Albert Abt, Dirk Masanetz und ihre leitenden Mitarbeiter und Busfahrer wäre es, so wurde gestern wörtlich zum Ausdruck gebracht, ein „unfall– und stauträchtiger Irrsinn“, wollte man tatsächlich einen Durchgangsverkehr von bis zu 20 000 Fahrzeugen auf einer Straße mit Doppelknie und mit vier Ampelanlagen mit Linienbussen, Taxis sowie Zubringer– und Abholverkehr am Bahnhof mixen. Schon jetzt sei der Verkehrsbereich am Bahnhof/​ZOB in seinem Grenzbereich, wenn morgens und mittags tausende Pendler und Schulkinder unterwegs sind. Und dazu müsse die zukünftige Bahnhofstraße ja bei einem Zwischenfall im Tunnel weiterhin als halbwegs leistungsfähige Umleitungsstrecke zur Verfügung stehen. Die bisherige, von Bürgermeister Frieser gestaltete Planung der Stadtverwaltung sehe nur eine ganz geringe Anzahl von Kurzzeitparkplätzen und Haltebuchten für Busse direkt am Bahnhofseingang vor. Dirk Masanetz und Albert Abt sehen bereits ein „Riesenchaos“, wenn dort Fahrzeuge halb auf Straße und halb auf Gehwegen wild parken werden.
Diese Planung sei völlig ohne praktische und sachkundige Mitwirkung der Bus– und Taxisunternehmer gemacht worden. Ökonomisch und auch ökologisch sei sie voller Nachteile. Allein wegen des aufgezwungenen Umstands, dass die Busse teils ziemliche Umwege fahren müssten, um überhaupt in den Busbahnhof einfahren zu können, hat Dirk Masanetz für Stadtbus pro Jahr hochgerechnet: Zehntausende Kilometer Zusatzleistung und Mehrverbrauch von knapp 9000 Litern Diesel. Auch mit Blick auf die Abgas-​/​Feinstaubbelastung sieht er auch einen völlig unsinnig aufgezwungenen, stauträchtigen Kriechverkehr übers Doppelknie mit tausenden umweltbelastenden Brems– und Beschleunigungvorgängen pro Tag. Dazwischen die Fußgängerströme. Rechtsanwalt Dr. Otto Stegmaier mahnt: Die Stadtverwaltung möge nicht vergessen, dass sie Verantwortung für die Verkehrssicherungspflicht trage.
Die vielzitierte Gefahr einer Raserei durch eine alternative Unterführung sieht Dirk Masanetz nicht gegeben, so macht er gestern deutlich: Da reiche doch ein „Blitzer“ und es werde anständig gefahren. Alle Beteiligten der Firma Stadtbus Gmünd sprechen sich also auch im Sinne von rund 10 000 Fahrgästen, die täglich am Bahnhof aus– und einsteigen, für die „absolute sinnvolle und durchdachte Lösung“ der Projektgruppe Alternative Verkehrsführung aus. Dazu sieht das Unternehmen auch bei Sperrung der Robert-​von-​Ostertag-​Straße mit Öffnung einer Verbindung über die angedachte Kroatenbrücke gleichfalls einen „ganz erheblichen Schlag“ gegen den ÖPNV, weil sich dadurch die Buslinien immer weiter von der Innenstadt entfernen würden. Bemängelt wird, dass die seitherige Planung den Individualverkehr bevorteile, während die Schulkinder, Pendler und auch Senioren, die Bus und Bahn nutzen, bislang nur eine geringe Lobby bei den Landesgartenschau-​Vorentscheidungen im Rathaus gehabt hätten. Diese Kritik, so wurde sehr deutlich gemacht, sei nicht

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