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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Donnerstag, 09. Juli 2009

Letzte Reise der Franzburger Dampfbahn

Das hat Schwäbisch Gmünd noch nie gesehen: Mittels Schwertransport und meisterhaftem Kraneinsatz der Firma Helling fand gestern eine historische Dampflok mit Waggon und Gleismaterial ein Ruhestands– Domizil bei einem Eisenbahnfan am Zeiselberg. Von Heino Schütte

SCHWÄBISCH GMÜND. Der Gmünder Wolfrad Bächle steckt hinter dem Projekt, das aus Sicherheitsgründen nicht angekündigt war, dennoch zahlreiche Schaulustige anlockte. Denn die Schwertransporte und der Einsatz eines 200-​Tonnen-​Krans der Firma Helling mit seinem 68 Meter langen Ausleger waren gestern am Zeiselberg natürlich nicht zu übersehen. Dem 42-​jährigen Bächle wurde die Begeisterung für die Geschichte der Eisenbahntechnik schon von seinem Vater, dem bekannten Gmünder Historiker und Buchautor Hans-​Wolfgang Bächle in die Wiege gelegt. Schätze an alten Modelleisenbahnen stehen und rollen sowohl bei Vater als auch beim Sohn.
Bei Wolfrad Bächle kommt der Beruf dazu. Er ist Bereichsleiter beim weltbekannten Modelleisenbahnhersteller Märklin, leitet das Werk in Ungarn und den Firmensektor Technik. Eigentlich hatte er mal Zahntechniker gelernt, arbeitete dann in der ehemaligen Gmünder Waggon-​Produktion von Märklin an der Wilhelmstraße, ehe diese nach Thüringen umzog, womit leider das Ende des Märklin-​Standortes Gmünd mit zeitweise bis zu 200 Werksangehörigen und Heimarbeiterinnen besiegelt war. Wolfrad Bächle gehörte jedoch zu jenen erfahrenen Märklin-​Leuten, die weiter Karriere machten. Nach den Turbulenzen der jüngsten Zeit zeigen sich alle Beteiligten recht zuversichtlich, dass es mit Märklin weitergeht. So war es gestern auch eine Art Demonstration der Eisenbahnfaszination, als Bächle in Verbindung mit einer Präzisionsleistung der Kran– und Transportfirma Helling ein Stück Eisenbahnhistorie in sein Gartengrundstück an die Obere Zeiselbergstraße holte.
Schon vor Jahren hatte er dort auf dem Dach einer massiven Garagenkonstruktion eine kleine Diesellok der berühmten „KÖF“-Baureihe aufstellen lassen. Jene Rangierlokomotive war bei der Deutschen Bundesbahn einst an allen Bahnhöfen zu finden, wo auch ein lebhafter Güterverkehr abgewickelt wurde. Älteren Gmündern ist die rot lackierte „KÖF“ noch wohlbekannt, weil sie beispielsweise auch quer über die Pfitzerstraße den schienengebundenen Werksverkehr für die Zahnradfabrik abwickelte. Nun ging ein Traum des leidenschaftlichen Eisenbahnfans in Erfüllung, denn neben der Diesel– steht seit gestern auch eine Dampflokomotive am Zeiselberg. Nicht nur das, sondern auch ein Güterwaggon und Originalgleise wurden für die außergewöhnliche Sammlung angeliefert. Bächle hatte die ausrangierte Dampfbahn bei der Modelleisenbahnfirma LGB (von Märklin vor einigen Jahren übernommen) in Nürnberg entdeckt. Dort hatte man für diese Museumsstücke keinen Bedarf mehr. Ursprünglich stammte das Material von der Franzburger Kleinbahn, die nahe der Ostsee in Mecklenburg-​Vorpommern auf einer 58 Kilometer langen Schmalspurstrecke auf Achse war. Die zwölf Tonnen schwere Lok wurde 1893 bei Vulcan Stettin in einer knapp 40 Stück umfassenden Serie gebaut und erst im Jahre 1968 ausrangiert. Wolfrad Bächle kommt ins Schwärmen, denn der technische Zustand sei noch so einwandfrei, dass mit etwas Aufwand dieses Dampfross jederzeit wieder in Betrieb genommen werden könnte. Er werde dafür sorgen, dass dieses Stück Technikgeschichte mit Ehrfurcht und Pflege nachfolgenden Generationen bewahrt bleibt. „So eine Schönheit habe ich noch nie transportiert und gelupft“, freute sich auch Teamchef Uwe Grimm von der Firma Helling. In Zentimeterarbeit wurde der Tieflader die schmale Straße hinaufbugsiert. Viele Schaulustige hielten dann angesichts der himmelwärts schwebenden Lokomotive den Atem an. Die Bächles dankten den Nachbarn für deren Verständnis wegen der Straßensperrung. Die Anlieger freuen sich allesamt über die Sehenswürdigkeiten in ihrer Straße, sind sogar richtig stolz. Schmunzelnd meinte ein Nachbar: „Solange Herr Bächle nicht auch noch Schiffe und Flugzeuge sammelt …“

Veröffentlicht von Rems-Zeitung, Redaktion.
Lesedauer: 137 Sekunden.

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Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 3443 Tagen veröffentlicht.


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