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Lokalnachrichten

» Ostalb | Mittwoch, 26. August 2009

Nach dem bewährten österreichischen Vorbild sollen Profis und engagierte Bürger Hand in Hand einen neuen Start erleichtern

Die Bewährungshilfe war bisher in vollem Umfang eine staatliche Tätigkeit, die hauptamtliche Mitarbeiter erfüllt haben. Vor zwei Jahren hat die Justiz diese Aufgabe an einen freien Träger übertragen, nämlich an Neustart, eine Einrichtung, die in Österreich seit 50 Jahren Bewährungshilfe betreibt. Von Viktor Turad

OSTWÜRTTEMBERG. „Es ist ermutigend, wie viele bereit sind, sich einzubringen und Verantwortung zu übernehmen“, sagt Dieter Muckenhaupt. Er ist in Heidenheim als Abteilungsleiter der für die Bewährungshilfe im Land zuständigen gemeinnützigen GmbH Neustart tätig. Sie baut momentan im Kreis ein Netz von ehrenamtlichen Bewährungshelfern auf. Im Herbst werden sie geschult, im kommenden Jahr sollen sie sich um Frauen und Männer kümmern, die zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden sind.
Die baden-​württembergische Tochtergesellschaft von Neustart gliedert sich in neun Einrichtungen, die für den Ostalbkreis zuständige hat ihren Sitz in Ulm. Im Ostalbkreis und im Kreis Heidenheim sind insgesamt zehn Bewährungshelfer und eine Gerichtshelferin tätig. Sie betreuen rund 800 Frauen und Männer, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind und denen Richter deswegen Bewährungsstrafen aufgebrummt haben.
Den Hauptberuflichen werden nun nach und nach ehrenamtliche Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Denn das Ehrenamt ist ein integraler Bestandteil der Arbeit von Neustart, unterstreichen Muckenhaupt und Ilonka Grill. Die Aalenerin ist Bewährungshelferin und als Teamleiterin zuständig für die ehrenamtlichen Bewährungshelfer im Ostalbkreis. Sie und ihr Kollege führen zurzeit Auswahlgespräche mit Interessenten, die sich aufgrund eines Rundschreibens von Landgerichtspräsident Friedrich Unkel gemeldet haben. Er hat nämlich alle die, die in diesem Jahr bei der Wahl der Schöffen nicht zum Zuge gekommen sind, auf die Arbeit von Neustart hingewiesen. Dieses Schreiben wertet Muckenhaupt als weiteren Beweis für die nach seiner Einschätzung gute Zusammenarbeit der Bewährungshilfe mit Richtern und Staatsanwälten im Bereich des Landgerichts Ellwangen.
Ehe die ehrenamtlichen Bewährungshelfer sich an die Arbeit machen können, müssen sie sich nicht nur einem eingehenden Auswahlgespräch unterziehen, sondern auch eine intensive Schulung absolvieren, in der sie sich beispielsweise mit der Frage befassen, wie es kommt, dass Menschen straffällig werden. Als ehrenamtliche Bewährungshelfer infrage kommen Frauen und Männer ab 25 Jahren, die nicht nur über Berufs– und Lebenserfahrung verfügen, sondern auch Zeit und Interesse haben, sich intensiv mit den Belangen anderer Menschen auseinanderzusetzen, die daran glauben, dass jeder eine Chance verdient und eine positive Entwicklung durchlaufen kann, die aber auch den Umgang mit straffällig gewordenen Menschen als Chance begreifen, ihre persönlichen Fähigkeiten zu entwickeln.
Der Auswahlprozess ist sehr aufwendig, ihm liegen viele Kriterien zugrunde. Schließlich sollen die Bewährungshelfer mithelfen, dass ihre Schützlinge nicht erneut mit dem Gesetz in Konflikt geraten und aus eigener Kraft straffrei leben. Bei den Klienten handelt es sich mehr um Männer als um Frauen aus den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen, die wegen Diebstählen, Betrügereien, Fahrens ohne Führerscheins, Körperverletzung oder Suchtproblemen vor den Kadi mussten
Unterstützen und beraten sollen die Helfer sie konkret bei der Bewältigung persönlicher und sozialer Probleme und beim Erfüllen von Auflagen und Weisungen des Gerichts. Ehrenamtliche Bewährungshelfer bieten praktische Hilfen im Umgang mit Behörden, konfrontieren ihren Schützling aber auch mit seiner Straftat und verdeutlichen ihm die Folgen für das Opfer. Sie haben aber auch eine Kontrollfunktion, denn sie müssen dem Gericht regelmäßig Bericht erstatten. Begleitet werden die Ehrenamtlichen von Ilonka Grill und sie treffen sich monatlich zum Informations– und Erfahrungsaustausch.
Muckenhaupt beugt einer denkbaren Schlussfolgerung vor: Ehrenamtliche sollen keineswegs hauptamtliche Bewährungshelfer, in der Regel Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen, ersetzen oder gar überflüssig machen. Zum einen dürfen die Laienhelfer beispielsweise Sexualstraftäter, schwere Gewalttäter, Menschen mit psychischen oder mit Suchtproblemen gar nicht betreuen und auch nicht in ihrem persönlichen Umfeld tätig werden.
Zudem ist die Zielrichtung des Einsatzes der Ehrenamtlichen eine andere: Sie können sich um Klienten kümmern, deren Betreuung zeitintensiv ist, also von Hauptamtlichen angesichts ihrer Arbeitsbelastung nicht im an sich erforderlichen Umfang geleistet werden kann. Muckenhaupt: „Das ist eine qualitative Verbesserung. Außerdem haben wir Hauptamtlichen dadurch mehr Zeit für unsere anderen Klienten. Somit gewinnen alle.“
Interessenten an der Tätigkeit eines ehrenamtlichen Bewährungshelfers haben als Motivation das Bestreben genannt, Verantwortung übernehmen und der Gesellschaft etwas zurückgeben zu wollen. In ihrem Wirken sehen Muckenhaupt und Ilonka Grill aber noch einen weiteren Vorteil: Mit ihnen bekomme die Straffälligenhilfe eine Lobby und ein Sprachrohr in die Gesellschaft. Damit wachse die Bereitschaft, Leute wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Das sei in der Wirtschaftskrise und angesichts der zurückgehenden Zahl von Arbeitsplätzen für nicht Qualifizierte besonders wichtig, denn in schwieriger Zeit gingen die Türen schneller zu. Muckenhaupt: „Das war früher deutlich leichter.“

Wer Interesse an einer Tätigkeit als ehrenamtlicher Bewährungshelfer hat, kann sich an die Bewährungshelferin und Teamleiterin Ilonka Grill, Schwäbisch Gmünd, Katharinenstraße 13, Telefon (07171) 10449923, Fax (07171) 10449920, wenden.
Mail: ilonka.​grill@​neustart.​org
 

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