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» Schwäbisch Gmünd | Mittwoch, 26. Januar 2011

Die Landtagskandidaten für den Wahlkreis Schwäbisch Gmünd stellten sich den Fragen der Parler-​Schüler

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Kess und ohne Scheu fühlten die Parler-​Schüler der Klassenstufen elf und zwölf gestern Morgen den Landtagskandidaten für den Wahlkreis Gmünd auf den Zahn. Diese waren gerne der Einladung gefolgt und stellten sich in der Alten PH den Fragen der Schüler. Von Nicole Beuther

SCHWÄBISCH GMÜND. Ein Thema, das den Jugendlichen besonders unter den Nägeln brennte, war die Bildungspolitik. Zunächst hatte jeder der Landtagskandidaten drei Minuten Zeit, hierzu Stellung zu nehmen.
„Die Bildungspolitik liegt der FDP sehr am Herzen“, sagte Markus Zuschlag, der am 27. März als Landtagskandidat der FDP antritt. An Bildung dürfe nicht gespart werden. „Sie sind die Zukunft Deutschlands“, so Zuschlag an die Schüler gerichtet. Es dürfe keinen Unterrichtsausfall geben, lautet eine Forderung von ihm. Auch spricht er sich klar für eine höhere Durchlässigkeit aus; jeder solle nach seinen Begabungen gefördert werden. „Wir wollen, dass jeder sein Ziel erreichen kann.“
„Bildung ist etwas ganz wichtiges“, sagte auch der CDU–Landtagsabgeordnete und Finanzstaatssekretär Dr. Stefan Scheffold, der auf das Millionen-​Investitionsprogramm für Bildung verwies. Unter anderem habe man erreicht, dass der Klassenteiler gesenkt wurde. Auch Scheffold plädiert für ein durchlässiges Schulsystem. Das deutsche Bildungssystem ermögliche es jedem Schüler, eine weiterführende Schule zu besuchen. Baden-​Württemberg schneide deutschlandweit in allen Vergleichen sehr gut ab, so Scheffold. „Das bestätigt uns in unserer Bildungspolitik.“
Der SPD–Landtagskandidat, Heubachs Bürgermeister Klaus Maier, spricht sich für gemeinsames und längeres Lernen aus. „Die, die in Richtung Hauptschule gehen, finden nur schwer zusammen mit denen, die das Gymnasium besuchen“, schildert Maier das aus seiner Sicht bestehende Problem. Die SPD wolle allen helfen, nach oben zu kommen. Man müsse alle Steine aus dem Weg räumen und anderen Schulsystemen die Möglichkeit geben, sich zu entwickeln.
Maier kann sich eine Basisschule mit sechs gemeinsamen Schuljahren vorstellen. Grünen-​Kandidatin Brigitte Abele spricht sich für einen gemeinsamen Unterricht bis zum zehnten Schuljahr aus. „Stärkung der Schwachen ist toll, aber was ist mit den Starken?“ und „Ich würde mich fühlen, als ob ich hinterherhinke!“ lauteten zwei Aussagen von Schülerinnen, die hier speziell von Maier und Abele ein Statement hören wollten.
Die Entwicklung, dass in der vierten Klasse eine Trennung erfolge, müsse ein Ende haben, so Klaus Maier. Man dürfe die Schwachen nicht zurücklassen. Es gebe bereits verschiedene Schulen, an denen gemeinsames Lernen bis zur zehnten Klasse stattfindet, so Brigitte Abele. Eine OECD-​Studie beweise zudem, dass gemeinsames Lernen Sinn macht.
In Sachen Bildung spricht sich die Gmünder Stadträtin zudem für weniger Unterrichtsausfall, mehr Durchlässigkeit, die Förderung von Kindern mit Migrationshintergrund und die Schaffung von mehr Studienplätzen aus.
Dr. Scheffold befürwortet eine individuelle Förderung jedes Einzelnen. Gemeinsames Lernen sei weder für die schlechteren noch für die besseren Schüler gut.
„Wir möchten keinen Einheitsbrei an den Schulen“, sprach sich Markus Zuschlag gegen eine Basisschule aus. „Wir wollen differenzieren.“ Es sei auch wichtig, dass Schüler mehr Eigenverantwortung übernehmen. „Es liegt an ihnen, was sie aus ihrem Leben machen möchten.“
Eine Sorge der Parler-​Schüler ist es, dass durch den Doppeljahrgang die Hochschulen überrannt werden. Zusätzlich, so ein Schüler, komme ja noch der Wegfall des Wehrdienstes hinzu. Mit entsprechenden Angeboten in Form eines freiwillig ökologischen Jahres könnte man hier entgegenwirken, so Brigitte Abele. Klaus Maier wünscht sich mehr Wohnraum für die Studenten und Dr. Stefan Scheffold ist sich sicher, dass der durch G 8 vorhandene Mehrbedarf an Studienplätzen auch abgedeckt wurde. Auch Markus Zuschlag wies darauf hin, dass von der Regierung eine große Anzahl an zusätzlichen Studienplätzen geschaffen wurde.
Eine Schülerin wollte von Klaus Maier wissen, wie er eine Abschaffung der Studiengebühren finanzieren würde. Der SPD–Landtagskandidat hatte sich, wie auch die Grünen-​Kandidatin Brigitte Abele klar dafür ausgesprochen. „Für Bildung ist uns nichts zu teuer“ sei überall zu hören, so Maier. „Dann sollten sie es auch tun.“ Zudem habe die Landesregierung ja auch genug Geld, um in die EnBW oder in die Landesbanken zu investieren.
Jeder freue sich, wenn er keine Studiengebühren zahlen müsse, sagte Scheffold, der sich klar zu den Gebühren bekannte. Man müsse aber bedenken, dass ein Handwerker, der eine Meisterprüfung anstrebe, die notwendigen Kurse auch selbst bezahlen müsse. Zudem bestehe für jedermann die Möglichkeit, einen Bildungskredit aufzunehmen. Diesen, fügte Markus Zuschlag hinzu, müssten die jungen Leute ja auch nur dann zurückzahlen, wenn sie später ein geregeltes Einkommen hätten. Der Kredit entlaste Eltern und Studierende. „Was wird mit den Studiengebühren gemacht?“ ist eine Frage, die Brigitte Abele beschäftigt. Sie kritisierte die Missstände an einzelnen Unis, wo teils nicht alle Studierenden in einen Hörsaal passen.
Einzig bei den Schwäbisch Gmünder Großprojekten waren sich alle einig
Viel Diskussionsbedarf gab es auch beim Thema Stuttgart 21. Zuschlags Meinung hierzu: „Wenn ein Projekt gestartet wird, das vor Jahren ausmodelliert wurde, warum gibt es dann erst zum 1. Baggerbiss Demonstrationen?“ Es sei doch auch eine Holschuld, sich zu informieren. Er habe nichts gegen die Demokratie, Demos und Bürgerentscheide, doch in diesem Fall sollte man auf das Planfeststellungsverfahren vertrauen. „Stuttgart 21 ist wichtig und Stuttgart 21 kommt.“
Brigitte Abele hingegen findet, dass die Bürgerbeteiligung zu kurz gekommen ist. Es habe mehr als 10 000 Einwände gegeben; „die wurden überhaupt nicht berücksichtigt“. Selbst Ministerpräsident Mappus habe den Fehler ja eingeräumt und gesagt, dass er Großprojekte künftig anders angehen wolle.
Dr. Scheffold verteilte schon im Vorfeld der Veranstaltung Broschüren pro Stuttgart 21 und wies auf den Schlichterspruch hin, bei dem die CDU ja auch Abstriche gemacht habe. Zudem mache eine Volksbefragung am Schluss eines solchen Verfahrens keinen Sinn.
Klaus Maier sprach von einer guten Sache. Der moderne Bahnhof sei eigentlich ein Geniestreich. Dennoch hätte man die Bürger mehr mit ins Boot holen müssen. Es müsse ein Verfahren geben, dass es ermögliche, dass auch die Bürger, die sich jetzt dafür interessieren, mitentscheiden könnten. „Ihr ward ja damals noch Kleinkinder“, so Maier an die 17– bis 18-​Jährigen gerichtet.
Ein Schüler äußerte Unverständnis gegenüber den S21-​Gegnern, „wegen ein paar Baustellen und Bäumen so einen großen Aufstand zu machen“. Würde Stuttgart 21 gekippt, dann würde das Geld anderen Bundesländern zugute kommen. Wenn der Bund soviel investiere, dann sei es doch respektlos, dagegen zu demonstrieren.
Abele verwies darauf, dass die Kosten ja deutlich höher ausfallen als geplant. Ein Kopfbahnhof reiche völlig aus und Anschluss an die großen Städte wie Paris etc. habe man auch jetzt schon.
Positiv äußerten sich alle Landtagskandidaten zu den Investitionen, die in Gmünd im Zusammenhang mit der Landesgartenschau und dem Tunnel getätigt werden. Brigitte Abele sprach von einem wichtigen Projekt für Gmünd, Klaus Maier sprach von einer Jahrhundert-​Chance und Dr. Scheffold äußerte sich erfreut, dass die Stauferstadt mit den Großprojekten „so richtig in Bewegung gekommen ist“. Und Markus Zuschlag sagte: „Ich hoffe, dass die Stadt auch für junge Leute wieder attraktiver wird.“
Abschließend baten die Landtagskandidaten die wahlberechtigten Schüler, am 27. März zur Wahl zu gehen. Es sei, so der O-​Ton, wichtig, mitzuwirken und sich einzubringen, anstatt zu kritisieren.
 

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