Startseite REMS-ZEITUNG – Mittwoch, 24. August 2016 Rems-Zeitung bei Facebook Rems-Zeitung bei Google+ Rems-Zeitung bei Twitter Rems-Zeitung RSS-Feeds Kontakt
Ihre Ansprechpartner in der Lokalredaktion
Die Geschichte der Rems-​Zeitung
Ihre Ansprechpartner in der Werbeberatung
Unsere Mediadaten als PDF
Unsere Themenwelten /​Sonderveröffentlichungen
Ihre Ansprechpartner im Bereich Abo und Service
Kostenloses Probeabo
Aktionsabo zu Sonderkonditionen
Nachsendung und Lieferunterbrechung
Unser Leser werben Leser Prämienprogramm
Übersicht Leserreisen
Übersicht Bücher und mehr
Private Kleinanzeige online aufgeben
Schwäbisch Gmünd
Rosenstein
Lorch
Leintal/Frickenhofer Höhe
Schwäbischer Wald
Waldstetten/Stuifen
Welzheimer Wald
Ostalbkreis

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Freitag, 28. Januar 2011

Soirée im Rathaus zum Holocaust-​Gedenktag mit Katarina Bader und der Erinnerung an den KZ-​Überlebenden Jurek

Galerie (2 Bilder)

Der Tag, an dem Soldaten der Roten Armee die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-​Birkenau befreiten, der 27. Januar 1945, ist der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Im Rathaus stellte Katarina Bader ihr Buch über ihren toten Freund Jurek vor. Zudem gab’s gestern gute Nachrichten in Sachen „Stolpersteine“.

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Dieser Jurek, von dem die Rede war, hat vier Jahre Auschwitz überlebt, und das Buch seiner jungen Freundin Katarina ist eine zutiefst anrührende Liebeserklärung an diesen so widersprüchlichen Mann, dem Deutschland so viel mehr genommen hat als die Jugend — und der ihrem eigenen Leben eine andere Richtung gegeben hat. Deutlich wurde vor allem, dass die Finten, die Jurek so lange überleben ließen, später geholfen haben, Tabus der kollektiven Erinnerung zu unterwandern (Seite 18). Sein Part wurde gestern vom Onkel der Autorin gelesen, Albert Bader vom Sachsenhof. Und Katarina Bader erklärte, in Gmünd zu lesen und zu erzählen, in der Stadt, an die sie so gute Erinnerungen habe, sei etwas Besonderes.
Bürgermeister Julius Mihm erinnerte sich bei der Begrüßung der Gäste — die im großen Sitzungssaal kaum Platz fanden — an das Jahr 1973, in dem er begann, Briefmarken zu sammeln und mit dem Wort „Auschwitz“ auf der „Maximilian Kolbe“-Marke nichts anfangen konnte. Seine Mutter habe ihm dazu nur gesagt, sie wisse das auch nicht genau. Mihm: „Da sind wir heute wesentlich weiter, und darüber bin ich glücklich“. Der Stadtbaumeister bedankte sich bei den Stadträten, die den Besuch der jungen Historikerin in Gmünd initiiert hatten. Er selbst sei über eine Rezension aufmerksam geworden auf Jureks Geschichte, und er schätze dieses Buch sehr. „Erinnern ist ein ganz mühsames Geschäft“, zitierte er Jurek und sprach von „Erinnerung als Funktion der Zeit“ und vom Bemühen, eine Person durch Erinnerung zu ergründen.
„Das Geld für die restlichen Stolpersteine ist da“
Der Holocaust-​Gedenktag ist auch ein Tag, an dem gemeinhin denjenigen gedankt wird, die ein Vergessen nicht zulassen. An erster Stelle ist hier Ortrud Seidel zu nennen, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die Erinnerung an die Gmünder Juden lebendig zu halten; sie hat in vielen Jahren die Geschichte der betroffenen Familien erarbeitet.
Lehrer Tilman John sowie Schülerinnen und Schülern der Waldstetter Franz von Assis-​Schule sind die ersten drei „Stolpersteine“ Gmünds zu verdanken. Das sind kleine Gedenktafeln aus Messing, die den Toten und Vermissten — zum Schluss meist auf die Nummern reduziert, die man ihnen auf den Arm tätowiert hatte — ihre Namen und nach Möglichkeit etwas Würde zurückgeben sollen. Das Bücken, um die Texte zu lesen, ist nicht zuletzt eine symbolische Verbeugung vor den Opfern. Außerdem widerlegen diese Markierungen vor den letzten selbstgewählten Wohnstätten der Opfer mitten in der Stadt – etwa am Marktplatz, in der Bocks– oder der Ledergasse –, die immer wieder gehörte Aussage, niemand habe von den Deportationen gewusst. Trotz des Namens Stolpersteine geht es übrigens nicht um ein tatsächliches „Stolpern“ – oder wie es ein Waldstetter Schüler formuliert hat: „Man stolpert nicht und fällt hin, man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen“. Wolfgang Gundlach, passionierter und mittlerweile pensionierter Pädagoge und Bürgermeister Joachim Bläse haben es sich zur Aufgabe gemacht, allen Gmünder Juden, die den Nazis zum Opfer fielen, einen Stolperstein zu schenken. Im Oktober hat die RZ einen Spendenaufruf veröffentlicht, und mittlerweile ist genug Geld da, so erklärte Wolfgang Gundlach gestern, um auch der anderen 23 aus Gmünd Deportierten auf diese Art zu gedenken.
Begründet wurde die Aktion vom Kölner Künstler Günter Demnig, der mittlerweile über 23 000 Opfer der NS-​Zeit geehrt hat. Bereits für die ersten drei Stolpersteine kam Demnig nach Gmünd, und er wird auch die übrigen Gedenktafeln anbringen.
 

QR-Code
remszeitung.de/2011/1/28/soir-im-rathaus-zum-holocaust-gedenktag-mit-katarina-bader-und-der-erinnerung-an-den-kz-ueberlebenden-jurek/