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Alte militärische Liegenschaften wechseln den Besitzer

Nicht gerade bürgernah, kommunikativ und ortsbezogen hat die Landesregierung in den vergangenen Tagen einen großen Grundstückstransfer vollzogen. Es geht unter anderem um weitflächige ehemalige militärische Liegenschaften im Bereich Waldstetten, Lindenfeld, Hornberg und Degenfeld.

Montag, 30. Januar 2012
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 28 Sekunden Lesedauer

Da weiß ich noch gar nichts davon“, erklärte am Montag im Gespräch mit der Rems-​Zeitung Ortsvorsteherin Angelika Wesner aus Degenfeld. Und „völlig baff“ zeigte sich auch Bürgermeister Michael Rembold aus Waldstetten. Die Rems-​Zeitung vom Montag sei seine erste Informationsquelle. Und dazu habe es vor etwa zwei Wochen einen rätselhaften Anruf im Rathaus gegeben. Da habe sich ein Amt nach dem Bunkerwald bei Waldstetten erkundet, ohne jedoch Informationen über das nun bekannt gewordene staatliche Vorhaben zu hinterlassen. Bürgermeister Rembold macht keinen Hehl aus einer gewissen Enttäuschung: „In solchen Fällen gehöre es sich doch einfach, dass die betroffenen Gemeindeverwaltungen vorher informiert und in das Verfahren einbezogen werden.“
Alexander Bonde, Minister Ländlicher Raum und Verbraucherschutz Baden-​Württemberg, und Wolfgang Leidig, Ministerialdirektor im Ministerium für Finanzen und Wirtschaft, hatten am Sonntag in einer Pressemitteilung erklärt: Verschiedene Flächen, die früher von Bundeswehr und US-​Armee genutzt wurden und seither Bundesvermögen waren, seien nun in den Besitz des Landes übergegangen. Ein Teil wiederum komme in Obhut der NABU–Stiftung (Naturschutz Bund Deutschland), weil es sich um ökologisch sehr wertvolle Naturschutzflächen handle. In der Liste der Flächen taucht unter anderem auch das Naturschutzgebiet Lindenfeld bei Bettringen, Waldstetten mitsamt einiger Grundstücke im Bereich der Hochfläche des Hornberg auf. Es handelt sich um jene Flächen, wo einst vornehmlich amerikanische Truppeneinheiten aus Göppingen übten und im sogenannten Staatsanwalt ein Munitionsdepot in einem weitläufigen Bunkerareal unterhielten. Erwähnt wird eine große Anzahl von seltenen Pflanzen und gefährdete Vogelarten, die im dortigen Naturschutzgebiet zu Hause sind. Im Rahmen der NABU–Stiftung „Nationales Naturerbe“ sollen nun die Naturschutz-​Ziele laut Pressemitteilung mustergültig erfüllt werden. Am Sonntag wurde dazu ein entsprechender Vertrag mit der NABU–Stiftung unterzeichnet. „Mit der heutigen Unterzeichnung werden aktuell rund 300 Hektar Naturschutzflächen im Land Baden-​Württemberg unentgeltlich an Träger des Naturschutzes übertragen“, so freuen sich Bundesforst und die Landesministerien in der Erklärung.
Walter Beck, Pressesprecher der NABU–Gruppe Schwäbisch Gmünd, berichtete auf Anfrage, dass die NABU–Mitarbeiter vor Ort bislang nicht informiert seien. Das Projekt habe sich offenbar auf Landes– und Bundesebene abgespielt. Man warte nun gespannt auf die konkreten Informationen.
Bürgermeister Michael Rembold betonte, dass er die ehrenamtliche Arbeit der vielen sachkundigen NABU–Mitarbeiter sehr zu schätzen und zu würdigen wisse. Als Beispiel nennt er Pflege und Schutz des Fledermausbestands im Bunkerwald bei Waldstetten sowie die vielen naturkundlichen Exkursionen und Führungen, insbesondere um Kinder und Jugendliche für die Bewahrung der Schöpfung zu sensibilisieren. Er könne sich auch durchaus vorstellen, dass die „Drähte“ zu den für die ehemalige Militärfläche zuständigen Stellen nun kürzer und besser werden als bei den Bundesbehörden. Andererseits wäre, so meint Rembold, es doch die sinnvollste Lösung gewesen, die fraglichen Staatsflächen vollends in den Besitz und in die ortskundige Verwaltung und Aufsicht der Kommunen zu geben.
Dann, so schildert der Waldstetter Bürgermeister seine Visionen, hätten auch im Sinne des Naturschutzes und der Bedürfnisse des Menschen bereits angedachte Projekte eher in die Tat umgesetzt werden können: Naturlehr– oder ein Geschichtspfad durch den Bunkerwald, dem gegenwärtig in Waldstetten eine Ausstellung gewidmet ist, oder das Auslichten und die Pflege von schönen Aussichtspunkten. Er müsse zunächst einfach mal auf genaue Informationen aus Stuttgart und Abstimmungen mit der NABU–Stiftung „Nationales Naturerbe“ warten.

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