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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Dienstag, 16. Februar 2016

Aids-​Hilfe Schwäbisch Gmünd berichtet über die jüngsten Entwicklungen

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Warum wissen so viele Eheleute so wenig voneinander, warum sind sich die unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen nur in der Ausgrenzung anderer einig, wie kommt es, dass Prostitution immer mehr zum Thema wird – ein Bilanzgespräch bei der Aids-​Hilfe im Traubengässle 3 wirft viele, auch unerwartete Fragen auf.

2015 hat die Aids-​Hilfe Schwäbisch Gmünd 1115 Menschen mit Beratungsgesprächen unterstützt, zudem 33 Betroffene, also Menschen mit HIV-​Infektion, betreut: „Das geht von zehnmal bis 50 Mal im Jahr“, sagt der Vorsitzende Joschi Moser, der über die jüngsten Entwicklungen informierte.
Vielfach setze sich die Meinung durch, Aids sei nicht länger ein Problem. In der Tat liegen medikamentös gut eingestellten Betroffene mit ihrer Viruslast unter der Nachweisgrenze, gehen also davon aus, dass sie nicht länger ansteckend sind. Das wird von einer Schweizer Studie gestützt, ist Moser zufolge aber sehr gefährlich – vor allem wenn der Partner einen Entzündungsherd bzw. eine versehrte Schleimhaut mitbringe .
Ein anderes Problem kristallisiert sich erst allmählich heraus. Dass Langzeitüberlebende zum Teil seit 15, 16 Jahren Medikamente einnehmen, macht sich, so Moser, massiv bemerkbar: „Sie altern schneller.“ Krankheiten treten auf, die normalerweise in weitaus höherem Alter zum Problem werden – versagende Gelenke etwa, Arthrose, Arthritis. Auch bestätige sich jetzt, was die Aids-​Hilfe seit langem beobachte: „Es gibt massive Schäden in Magen, Nieren, Leber.“
Einiges bereite Kummer, seit Aids seinen Schrecken verliere, sagt Moser: Die Sorglosigkeit, die unter anderem in den Beratungsgesprächen dokumentiert werde, lasse sich auch anhand der Fallzahlen anderer Geschlechtskrankheiten leicht nachvollziehen. Syphilis und Tripper nehmen wieder zu in Deutschland – erst jüngst war eine Frau in der Beratung, die wissen wollte, ob sich ihr Mann die Syphilis, wie von ihm behauptet, tatsächlich auf der Toilette geholt haben könnte.
Das Thema Prostitution ist für die Aids-​Hilfe Schwäbisch Gmünd ein Schwerpunktthema. „Berufsprostituierte arbeiten mit Kondom, auch, weil sie ihren Körper gesund erhalten müssen.“ Da nun HIV weniger gefürchtet werde, bestünden immer mehr Freier auf einem Verzicht aufs Kondom, seien auch bereit, sehr viel Geld dafür zu zahlen. Vor allem junge Frauen aus Osteuropa, die nicht in größeren Einrichtungen arbeiteten, wo sie von älteren Kolleginnen unter die Fittiche genommen würden, ließen sich auf solche Forderungen ein. „Warum jemand bereit ist, mehr Geld dafür zu zahlen, dass es unter Umständen das letzte Mal ist, dass er gesund Sex haben kann, dass er sich womöglich eine unheilbare Infektion zuzieht, liegt jenseits meiner Vorstellungskraft“, sagt Joschi Moser.
Die Aids-​Hilfe arbeite grundsätzlich akzeptierend – aber da stoße er an seine Grenzen. Mit Blick auf die jüngste Diskussion über ein Produktionsverbot bzw. Gesetzesverschärfungen und strengere Kontrollen meint Moser, es gehe wohl nicht anders. Das Thema nehme in den Beratungsgesprächen überhand; früher hätten sich bei weitem nicht so viele besorgte Freier gemeldet. „Da gibt es freitags mit den Kollegen ein allgemeines Besäufnis, man landet im Bordell und weiß nicht mehr, was geschehen ist.“ Kein einziger der steigenden Zahl von Männern, die zu Prostituierten und dann zur Aids-​Hilfe gingen, sagt Moser, habe mit der Partnerin darüber gesprochen, oder auch nur über die Gründe, warum eine Prostituierte aufgesucht werde. Eigentlich müsste man ein Seminar anbieten „Wie schaffe ich es, meinem Ehepartner zu vertrauen“, sagt Moser und meint das ernst. Wenn Menschen lernten, mit denen, die ihnen am nächsten stünden, über intime Wünsche zu sprechen, rücke das Thema Prostitution nicht so in den Mittelpunkt. Und sexuell übertragbare Krankheiten tauchten nicht so unvermittelt in gutbürgerlichen Kreisen auf. Nein, die Syphilis holt man sich nicht auf der Toilette.

Über dieses und andere Themen der Aids-​Hilfe, etwa über die Arbeit in der JVA Gotteszell, über Vorurteile und die hohe Arbeitsbelastung der Ehrenamtlichen, berichtet die RZ in ihrer Mittwochsausgabe.

 

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