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Nachrichten Ostalb

Marginalie: 6 aus 49

Grafik: RZ

6 aus 49 – wer dies hört oder liest, denkt an die Lottozahlen. Denn von 49 Feldern darf man sechs ankreuzen. Werden genau diese Zahlen gezogen, macht sich auf dem Konto des Tippers der Geldsegen bemerkbar. In diesem Fall ist mit 6 aus 49 aber etwas anderes gemeint, das ebenfalls mit Zahlen zu tun hat: Von den 49 im Ostalbkreis zur Verfügung stehenden Plätzen auf den Intensivstationen waren dieser Tage sechs mit Corona-​Patienten belegt.

Sonntag, 08. Mai 2022
Alexander Gässler
2 Minuten 28 Sekunden Lesedauer

Angesichts einer Inzidenz von über 500 klingt das nicht dramatisch. Und doch: Wer derzeit Angehörige in einer Klinik im Ostalbkreis besuchen möchte, wird vom Personal und auch mit Hilfe von unübersehbaren Hinweisschildern daran erinnert, dass die Pandemie keineswegs bereits vorbei sei. Ohne aktuellen negativen Test kein Zutritt – und im ganzen Haus (sogar mit dem Patienten ganz alleine im Zimmer) Maskenpflicht. „Wer ohne Maske erwischt wird, fliegt sofort raus!“ erklärte eine junge Ärztin dem nicht mehr ganz so jungen Mann, der seine hochbetagte und schwerkranke Mutter besuchte. Gut so im Sinne der Vorbeugung, dass das Personal konsequent ist.
Die Pandemie ist auch für die vielen Vereine im Ostalbkreis noch keineswegs vorbei, obwohl die Zeitungsberichte und die Ankündigungen von Veranstaltungen den Eindruck erwecken, als sei alles bald wieder ganz normal. Ist es aber nicht, wenn man das Vereinsleben nicht nur von außen betrachtet. Diese Botschaft war nicht zu überhören beim Vorbereitungsgespräch für die Akteure der Jubiläumsgala zum 50. Geburtstag des Sportkreises Ostalb. Die Gala geht zwar erst im Oktober im Gmünder Stadtgarten über die Bühne, wird aber bereits jetzt sehr detailliert geplant.
Diese Gala ist sehr viel mehr als nur eine Geburtstagsfeier der Organisation, daran ließ der Sportkreisvorsitzende und Vize-​Präsident des Württembergischen Landessportbundes, Manfred Pawlita, am Donnerstag im großen Saal des Gmünder Rathauses keinen Zweifel. Es geht darum, dass der Vereinssport gegenüber der Bevölkerung mit Glanz und Gloria ein echtes Lebenszeichen setzt. 14 ausgewählte Vereine, die in der Region und darüber hinaus für ihre Top-​Leistungen bekannt sind, werden ihr Bestes geben und auf diese Weise verkünden: Ja, wir leben noch und haben weiterhin ein sehr vielseitiges Freizeitangebot für die Menschen am Rande der Schwäbischen Alb, im Remstal, im Schwäbischen Wald, im Welland, im Ries und im Virngrund. Mit der exakt gleichen Motivation werden sich am kommenden Wochenende 24 Mögglinger Vereine und Gruppen fast wie bei einer Gewerbeschau den Bürgerinnen und Bürgern empfehlen.
Dass sie so laut verkünden müssen, noch am Leben zu sein, ist ein klares Indiz dafür, dass so mancher Verein de facto eben doch nicht mehr so ganz agil ist wie vor der Pandemie – und daher ähnlich wie ein Corona-​Patient nun quasi künstlich „beatmet“ werden muss. „Wir hatten einen gewaltigen Einbruch“, räumt der Trainer eines Vereins hinter vorgehaltener Hand ein und gibt dabei unumwunden zu, dass ihm aktuell die aktiven Mitglieder fehlen, um jene gigantischen Veranstaltungen durchzuführen, mit denen sich eben dieser Verein seit Jahren einen Namen gemacht hat.
Und dies geht nicht nur Sportvereinen so. In so manchem Chor fehlen die Stimmen für abend– und saalfüllende Auftritte. „Viele haben sich in zwei Jahren Pandemie daran gewöhnt, keine Proben mehr zu haben und die Abende auf dem Sofa vor dem Fernseher zu verbringen“, klagt eine Dirigentin über die Flaute im Gesangverein. Wer schon vorher mit dem Gedanken gespielt hatte, irgendwann altershalber aufzuhören, für den war dieses „irgendwann“ jetzt im Zuge von Corona. Aber noch leben die Vereine und schaffen es hoffentlich, weiterhin zu begeistern. Fürs öffentliche Leben wäre es sonst wie ein verschenkter „Sechser“ im Lotto! (pilatus)


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