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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Der Sozialausschuss tagte gestern in der Waldorfschule, die ihr Schulkonzept präsentierte

„Schule muss als Lebensraum begriffen werden“, diese Erkenntnis nahm der Sozialausschuss, der gestern in der Waldorfschule tagte, mit aus der Sitzung. Weiteres Thema war die Gmünder Tafel, und einstimmig beschloss das Gremium, Birgit Bormanns Sozialarbeiterinnen-​Stelle weiterzuführen.

Donnerstag, 15. Oktober 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (bt). Andere Sitzungen, andere Termine: Nur kurz konnte Oberbürgermeister Richard Arnold gestern den Sozialausschuss begleiten; diese Zeit aber nutzte er für einige grundsätzliche Anmerkungen: Erneut erklärte er die Waldorfschule zu einem Leuchtturm im Bereich Kultur und Soziales. Grundsätzlich gelte es, viel mehr aus dem Potenzial „Strümpfelbachzentrum“ zu machen; das bedeute nach der ÖPP-​Absage auch, dass ASR und Scheffold-​Gymnasium nicht durch eine zentrale Küche beliefert werden sollten, sondern die „sehr gute und funktionierende Küche der Waldorfschule nutzen“. Am Schulprofil zu arbeiten ist Arnold zufolge im härter werdenden Konkurrenzkampf entscheidend; da sei die bereits vorhandene Betonung von Kultur, Kunst, Musik und Theater am Strümpfelbach vielversprechend. „An den Hausmeistern ein Beispiel nehmen“ müsse man sich im Schulzentrum, so der OB — diese zeigten tagtäglich wie Kooperation zum Nutzen aller gelebt werde. Miteinander statt Nebeneinander.
Dies waren auch für Bürgermeister Dr. Joachim Bläse, der die Sitzung leitete, Punkte von zentraler Bedeutung; zudem griff er in seinem Fazit eine Überlegung von Daniela Maschka-​Dengler auf, die sich vom Waldorf-​Konzept „Schule als Lebensraum“ beeindruckt zeigte und erklärt hatte: „Das ist eine Aufgabe, die staatliche Schulen ernster nehmen müssen“. Bläse mit Blick auf die Präsentation der Freien Waldorfschule Schwäbisch Gmünd: „Wir brauchen sie in unserer Bildungslandschaft“. Dr. Magdalene Gärtner sprach über die pädagogischen Konzepte für die Oberstufe, Kollegin Alexandra Klein stellte die Arbeit mit den Erst– bis Achtklässlern vor, bei Schüler Simon Schaub geriet der Bericht über den Schulatalltag zur Liebeserklärung an seine Schule, und Ulrike Oberst machte das Gremium mit der Kindergartenarbeit vertraut. Moderiert wurde das Ganze von Geschäftsführer Manfred Hütter, der daran erinnerte, dass der Gründer der ersten Waldorfschule, Emil Molt, ein Gmünder war. Nach und nach entstand das Bild einer Schule, in der Kinder und Jugendliche und ihre Entwicklung im Mittelpunkt stehen: Sie werden „ganzheitlich gefördert“, ausgehend von ihren jeweiligen Begabungen. Die ursprüngliche Lernfreude eines jeden Kindes soll erhalten und gefördert werden. Eine gesunde Leistungsbereitschaft entstehe, die Schüler bei zunehmender Eigenverantwortung zu selbständigem Lernen befähige. So könnten sich die Lehrer immer stärker als Lernbegleiter verstehen. Den Schülern würden Fähigkeiten vermittelt, die sie zu Selbstbestimmung führten und sie zu urteilsfähigen, offenen Weltbürgern reifen ließen. Konkret wurden vielfältige Ansätze vorgestellt, vom gemeinsamen Bestellen eines Feldes bis hin zur Arbeit mit geistig behinderten Menschen. Konrad Widmann ließ sich über ein Kind mit Down Syndrom in der zweiten Klasse informieren, Konrad von Streit wurde bestätigt, dass es relativ wenige ausländische Kinder an der Schule gibt. Als Uschi Seiz nach dem Schulgeld fragte und wissen wollte, was geschieht, wenn eine Familie arm ist, war wieder Vorstand Roland Sturm gefragt, der bereits das Kapitel Finanzen präsentiert hatte: Privatinsolvenz und Arbeitslosigkeit hätten drastisch zugenommen, was sich natürlich aufs Schulgeld auswirke: Grundsätzlich seien 6 Prozent des Bruttogehaltes zu zahlen, ganz gleich wie viele Kinder die Schule besuchten. Auch sei ein Viertel der Eltern alleinerziehend, was oft mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten verbunden sei. All das mache die Finanzierung der von Ehrenamtlichen getragenen Schule sehr schwierig. Über die Präsentation des Stadtteilzentrums Ost und seiner sozialen Modellprojekte wird die RZ noch berichten.
Gestiegene Nachfrage nach Ausweisen für die „Tafel“
GEBIB-​Geschäftsführer Tilman Haug stellte dem Gremium den Gmünder Tafelladen am Kalten Markt vor, in dem die Berechtigten — Empfänger von Sozialleistungen, vielfach aber auch Alleinerziehende, Familien und Rentner mit niedrigem Einkommen — tadellose, von Herstellern und Händlern gespendete Waren zu einem Bruchteil ihres regulären Preises einkaufen können. Haug sprach davon, wie wichtig es sei, die Kunden zu respektieren, sie tatsächlich wie Kunden zu behandeln. Dennoch sei die Hemmschwelle hoch. Die derzeit deutlich gestiegene Nachfrage nach Ausweisen mache deutlich, dass es für viele „wirklich eng wird“. Gleichzeitig seien auch die großen Märkte nicht mehr so großzügig, was den Tafelladen vor einige Probleme stelle. Im Detail wurde dann erklärt und nachgefragt. Die GEBIB, Gemeinnützige Gesellschaft für die berufliche Integration von Behinderten, ist Träger der Gmünder „Tafel“, die auch die Aufgabe übernommen hat, andere Tafeln im Land zu beliefern und die, ihrem Auftrag entsprechend, auch schwerbehinderte Menschen beschäftigt. Angesprochen wurde die alte Frage, ob Tafeln nicht Armut zementierten und Deckmantel seien für einen Staat, der die Hartz IV-​Sätze nicht angemessen festsetze — immerhin hatte Haug anhand der über 500 Ausweise hochgerechnet, wie viele Menschen in der Stadt von der Tafel abhängig sind. Daniela Maschka-​Dengler regte eine Aktion des Gemeinderats an, um den Kindern der Tafel-​Kunden ihre Nikoläuse termingerecht liefern zu können, nicht erst Tage und Wochen später. Sebastian Fritz wusste, dass dort dringend neue Edelstahltische gebraucht werden. Bürgermeister Bläse erklärte, er könne sich eine „Weihnachtsaktion“ sehr gut vorstellen.

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