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Heldts geheime Notizen

Das Freundschaftsspiel gegen den VfB hatte noch einen Tag später Spuren hinterlassen – der ein oder andere Akteur fand erst in den frühen Morgestunden in den Schlaf. Das Match war ein schönes und aufwühlendes Ereignis, besonders für Trainer Alexander Zorniger und seinen Mittelfeldspieler, der Torschütze des Führungstreffers, Dominik Kaiser. Den einen hat der VfB bereits, am anderen sind die Macher vom Wasen dran. Von Giovanni Deriu

Donnerstag, 07. Mai 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
3 Minuten Lesedauer

Es will schon was heißen, wenn ein Typ wie Alexander Zorniger, der seine Gefühlswelt nicht so nach Außen kehrt, zugibt, dass er erst „ziemlich spät“ oder eher „früh am Morgen“ in den Schlaf fand, nach dem Freundschaftsspiel gegen den VfB Stuttgart, und gegen seinen Freund, dem Europameister Markus Babbel. So ganz cool ist auch Zorniger nicht, wenn er dann mit fast 3 500 Zuschauern, die ganz nah dran gewesen sind, konfrontiert wird. Er habe die Erwartungshaltung des Publikums schon gespürt, gab Zorniger zu. Er ahnte schon, als er früh am Nachmittag im Schwerzer ankam, und die belegten Parkplätze sah, wie viele Zuschauer zum Freundschaftskick kommen würden.
Auch sein Team sei, anders als sonst, ein wenig unruhig gewesen, was Zorniger beim Warmmachen und den Torschüssen merkte. „Die Jungs waren positiv nervös“, hielt der scheidende Coach fest. Im Spiel jedoch, sei es jedem Spieler egal, ob er vor „250 oder 2 500 Leuten“ spiele. Genauso traten seine Normannen dann auch an. Ohne Furcht und Tadel. In der ersten Halbzeit passte alles. Die 1:0-Pausenführung schoss Dominik Kaiser heraus. Ein Held, der kleine Kaiser. Der stand früh morgens bereits in der Klosterbergschule als Zivi seinen Mann, und betreute die paar wenige Kinder, die da waren. Viele Schüler fehlten, weil „pädagogischer Tag“ gewesen sei. Dafür waren umso mehr Lehrer da, die Dominik zum Treffer gegen den VfB gratulierten. Auch ein paar Kinder im Hintergrund freuten sich mit Dominik Kaiser. Außerdem, so Normannias Mittelfeld-​Talent, seien einige Schüler und Lehrer im Stadion live dabei gewesen. Er habe dagegen sehr gut schlafen können, weil er „einfach platt“ gewesen sei, nach der Laufarbeit im Spiel.
Die Normannen waren konditionell an ihre Grenzen gegangen, und hatten dem VfB gut Paroli geboten. Dominik wollte das Tor in dieser Situation auch machen, gab er offen zu, denn die Kombination zwischen seinen Kameraden Catizone und Faber sei einfach genial gewesen, blickte Dominik zufrieden zurück.
Alexander Zorniger pflichtete bei: „Es war toll, wie Dominik als Mittelfeldspieler in die Spitze hineinschoss“, und die Viererkette des VfB somit in Verlegenheit brachte. Coach Zorniger war mit dem Spiel seiner Mannschaft „sehr zufrieden“. Denn die Normannen hätten sehr gut Überzahlsituationen geschaffen, dadurch hätten sich „Boka und Simak“ nie entfalten können, resümierte Zorniger.
Der FCN hatte den VfB also zusätzlich beeindruckt. Horst Heldt hatte den Namen Dominik Kaisers nicht in einen Block notiert, sondern in seinen Blackberry getippt und – abgespeichert. Mit einem Lächeln meinte Horst Heldt, ganz locker, von Meisterschafts-​Anspannung keine Spur: „Ich habe mir zwei Namen notiert…“
Naja, Alexander Zorniger kannte er ja bereits. Was auf der Pressekonferenz noch nicht vollzogen wurde, fand dann gestern das Echo. „Ich habe unterschrieben“ teilte Zorniger mit, nach dem auch Markus Babbel beim VfB verlängert hatte. Die beiden kennen und schätzen sich seit ihrer gemeinsamen Zeit in Hennef, wo sie ihren „A-​Schein“ miteinander bestanden haben. Bei den Fach-​Diskussionen auf den gemeinsamen Autofahrten hatte Alexander Zorniger wohl Eindruck bei Babbel hinterlassen. Zorniger über seinen neuen Chef: „Er ist authentisch, und schafft es, alle im Kader, mit einzubeziehen“, vom Busfahrer bis zu den Spielern. Jeder sei wichtig. Unverwechselbar die Ähnlichkeiten zu Zornigers Philosophie der Mannschaftsführung, denn auch Gmünds Coach beobachtet die Umgebung genau, und freute sich stets darüber, wie die ganze Bank mit den Spielern auf dem Feld mitfieberte. Zorniger denkt dabei an „Doktor Wacker, oder Physio Elmar Burkhardt“, die stets die Spieler anfeuern, und alles für sie tun.
Natürlich sei es, so Zorniger, eine große Auszeichnung, wenn ein früherer Top-​Spieler wie Markus Babbel, ihn, „Alex Zorniger“, auch als Typen und Fachmann schätze. Zorniger schätzt sich, in einem Anflug von Reflexion, so ein: „Natürlich denken viele, ich würde oft meinen Mund zu weit aufreißen“ , doch was er von anderen verlange, setze er bei sich selbst auch voraus. Das wollte er stets vorleben und fügt an: „Mein letztes Spiel hier wird bestimmt nicht einfach für mich…“ Und lässt in sein Innenleben einblicken, was so nicht üblich ist bei Zorniger.
Der Trainer geht, ein neuer Pächter kommt. Das Vereinslokal der Normannia, leitet von nun an Günther Klompmaker, der Küchenmeister aus Herlikofen. Mit seiner Frau Angelika und dem Team betreute er den VIP-​Bereich. Die Klompmakers kredenzten meisterlich gesund. Kleine Häppchen und leckere Steaks vom Grill. Zorniger aß vom Meisterkoch – und zum Meister VfB wechselt er.

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