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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Vortrag von Professor Werner Mezger im Franziskaner

Vielen, die sich für volkstümliche Bräuche erwärmen, ist Werner Mezger fast schon so etwas wie eine Kultfigur. Er befasste sich im Franziskaner am Mittwoch mit dem Thema Johannes der Täufer in Kult und Brauch.

Donnerstag, 25. Juni 2009
Rems-Zeitung, Redaktion
2 Minuten 37 Sekunden Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (kos). Zum Thema der Volkskunde und ihrer Bräuche hat Professor Mezger zahlreiche und für jeden verständliche Werke verfasst, und immer wenn er irgendwo einen Vortrag hält, darf man sich auf die unterhaltsame Vermittlung von Wissen und über althergebrachtes Brauchtum freuen.
So durfte man sich am Dienstag auch in Gmünd freuen. Hier hielt er im Festsaal des Franziskaner über das Thema „Der heilige Johannes der Täufer in Kult und Brauch“ einen aufschlussreichen Vortrag. Er tat das auf Einladung des Forums Katholische Seniorenarbeit des Dekanats und dem Münsterbauverein. Er frischte mit seinem Vortrag das Bild von Johannes dem Täufer auf und stellte seine Bedeutung im und für das Christentum heraus. Auch die Gmünder Johanniskirche sollte damit wieder in den Blick der Gmünder Bevölkerung gerückt werden, steht doch die weitere Renovierung der Johanniskirche heran. Dafür war der Erlös gedacht.
Schnell zog Werner Mezger, nachdem ihn Münsterpfarrer Robert Kloker begrüßt hatte, die zahlreichen Besucher durch seinen Bildervortrag in Bann.
Er ging davon aus, dass das Thema wegen der nicht weit entfernten Johanniskirche sinnvoll sei, zumal man von dem Heiligen gar nicht so viel wisse und der des Öfteren mit Johannes, dem Evangelisten, verwechselt werde, allenfalls dass die Tochter des Herodes, Salome, seinen Kopf forderte. Werner Mezger ging unterhaltsam informierend auf Johannes den Täufer ein und sein Leben und die Legende. Dabei stellte er heraus, dass Elisabeth, die Mutter, und Maria, die Mutter Jesu, eine wichtige Begegnung der Heilsgeschichte bilden würden, in der Johannes d.T. Jesu sechs Monate vorausgehen würde.
Mit vielen Bildern verdeutlichte Werner Mezger das, so mit der Taufe Jesu im Jordan oder mit dem „Tanz der Salome“. In besonderer Weise geht, wie es Mezger herausstellte, der Türschmuck im Baptisterium in Florenz auf die Lebensgeschichte des Johannes ein, wobei in diesem Zyklus auch die Ankunft Jesu verkündet wird. Sehr häufig finde man Johannes d.T. in der Sakralkunst in vielfältiger Weise wieder. Dabei wären schon im Mittelalter Maria, Johannes d.T. und Jesu ein beliebtes Motiv vieler Maler wie Botticelli, Raffael und anderen gewesen. Bis in den Barock sei dieses Motiv beliebt und finde sich in vielen Varianten. Dazu gehöre es, dass Maria und Johannes als Fürsprecher beim jüngsten Gericht dargestellt würden. Auch große Altarwerke spiegelten die zentrale Rolle wider, die Johannes d.T. in der Heilsgeschichte spielen würde und die man heute ein wenig aus dem Auge verloren hätte. In der Liturgie, so Mezger, würde sich letztlich auch der Ritus der Taufe an ihn orientieren. Dies verdeutlichte er mit eindrucksvollen Bildern u.a. der Taufkapellen in Florenz und Pisa. Sodann ging er auf die Rolle ein, die Johannes d.T. neben Stephanus, der gesteinigt wurde, als Erzmärtyrer spielen würde, und er stellte auch die Beziehung zwischen Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten dar. Viele auch kirchliche Bräuche, die am Tag des Heiligen am 24. Juni gefeiert würden, ließen sich auf Johannes d.T. zurückführen, so von Prozessionen, blumengeschmückten „Prangstangen“ in Österreich und Reiterspielen in Menorca.
Johannes sei auch namensgebend in ganz Europa, bis hin zu den Allerweltsnamen Hans und Hänschen, dem Johanniskraut und der Johannisbeere. Dabei vergaß Mezger nicht die Rolle in Sprichwörtern und bis zum Märchen von Hänsel und Gretel und natürlich auch die der „Hansele“ in der Fasnacht. Die Figur des Dieners verbindet sich mit dem Namen Johannes und ebenfalls die Johannisfeuer, besonders in den Alpen und in Frankreich, die im Dritten Reich, so der Referent, zu Sonnwendfeiern umfunktioniert wurden, um ihnen einen germanischen Anstrich zu geben. Zu allem wusste Werner Mezger interessante und manch bisher dem Hörer unbekannte Einzelheiten auf fachlich fundierte Weise, aber auch ungemein ansprechend und jedem verständlich zu vermitteln.

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