Direkt zum Inhalt springen

Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Eine CDU-​Reisegruppe lernte in Indien eine ganz andere Art von Gesellschaft kennen und besichtigte herausragende Zeugnisse der indischen Architektur

Eine einzigartige Kultur und Gesellschaftsordnung lernten die Teilnehmer einer CDU-​Reise unter Leitung von Arnold Haas in Indien kennen. Die Vielfalt der gesellschaftlichen Schichten, die Kasten, die Gegensätze zwischen Arm und Reich, zwischen Schmuck und Schmutz, sowie die extreme Hitze machten diese Reise zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Dienstag, 29. Juni 2010
Rems-Zeitung, Redaktion
4 Minuten Lesedauer

SCHWÄBISCH GMÜND (cdr). Die Besichtigung Delhis, seit 1911 Hauptstadt Indiens und mit 22 Millionen Einwohnern eine der größten Städte der Welt, bildete den Auftakt. Neu Delhi ist geprägt vom Flair der Botschaften und kolonialen Gärten und Villen, der Prachtstraße und dem India Gate.
Im Raj Ghat, dem Gandhi– Denkmal, wo auf einer schlichten, schwarzen Marmorplatte eine ewige Flamme brennt, wird der Friedenslehrer und geistige Vater Indiens verehrt.
Dagegen ist Old Delhi mit seinen überfüllten Straßen und engen Gassen eines der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt. Trotz Verkehrschaos und Lärm strahlt es Charme und eine faszinierende Lebendigkeit aus. Hier leben überwiegend Muslime, das Rote Fort und die Freitagsmoschee Jama Masjid (17. Jh.) entstanden während der 600-​jährigen islamischen Herrschaft. Das Weltkulturerbe Qutab Minar, der höchste und prachtvollste Steinturm der islamischen Welt (72,5 m hoch) ist heute ein Wahrzeichen Delhis.
Die Überreste der daneben liegenden Quwwat-​ut-​Islam-​Moschee zeigen in den Säulen des Kreuzgangs Verzierungen, die aus alten Hindu– und Jaintempeln stammen, die von den Eroberern zerstört wurden. Im Bangla Sahib Gurdwara, der Tempelanlage mit dem heiligen Buch, stand dagegen die Religion der Sikhs im Mittelpunkt, der auch die indischen Reiseführer angehören, die die Reiseteilnehmer über Rituale und ihre Bedeutung genauestens unterrichteten.
Die Route führte weiter nach Rajasthan. Jaipur, die „Pink City“, gegründet 1727 von Raja Jai Singh II. als neue Hauptstadt, wurde rasterartig angelegt mit an die Zünfte zugewiesenen Stadtvierteln und zahlreichen adligen Palästen. Hier wohnten die Reisenden im Hotel Jai Mahal Palace, wo sie als Zaungäste einer Hochzeit ein Märchen aus Tausendundeinernacht erlebten. Das berühmteste Wahrzeichen von Jaipur, der sich nach oben verjüngende Hawa Mahal („Palast der Winde“, erbaut 1799), der prächtige Stadtpalast, in dem die Nachfahren der Rajas noch leben, und das Observatorium „Jantar Mantar“ durften im Besichtigungsprogramm natürlich nicht fehlen. Wie wichtig die astrologische Konstellation in Indien z.B. bei der Eheschließung ist, erläuterten umfassend die Fremdenführer.
Auf einfachen Straßen tourte die Gruppe über Land durch mittelalterlich anmutende Dörfer. Der nächste Höhepunkt war die Safari im Ranthambhore Nationalpark. „Where is the tiger?“ war trotz des zahlreichen Tierbestands für alle die wichtigste Erwartung, die auch ausnahmslos erfüllt wurde. Sogar vier verschiedene Tiger bekam eine Gruppe „vor die Linse“. Ein voller Erfolg!
Fatehpur Sikri, die ehemalige Hauptstadt (15711585) des Mogulreiches, wurde 1569 gegründet von Akbar, einer Legende zufolge aus Dankbarkeit über einen Thronerben. Der Herrscher hat sich stets bemüht, alle Religionen in seinem Reich zu vereinen und auch selbst einen eigenen Glauben gegründet. In der Architektur der Palastanlage ist diese Vereinigung ebenfalls zu bemerken, da die verschiedensten Stilelemente zu einem harmonischen Ganzen zusammengefügt wurden. In einem Innenhof befindet sich ein Pachisi-​Spielfeld am Boden. Das Spiel ist so etwas wie der indische Vorläufer des Mensch-​ärgere-​Dich-​nicht. Die Figuren, die sich zwischen den Spielfelder hin und her bewegten, waren einst die Hofdamen.
An den Seiten des Innenhofes befinden sich verschiedene Räumlichkeiten. So auch das so genannte „Zimmer der Träume“. Hier gibt es ein „Wasserbett“, eine erhöhte, steinerne Liege, die zur Kühlung von Wasser umspült war. Feuchte Grasmatten und große Fächer taten dann noch ein übriges um ein angenehmes Klima und süße Träume zu bescheren.
Heute stehen die Baudenkmäler unter dem Schutz der UNESCO und gehören zum Weltkulturerbe der Menschheit.
Das Rote Fort in Agra, Mitte des 16. Jahrhunderts auf den Überresten von Hindu-​Gebäuden errichtet, entpuppte sich als eine prachtvolle Palastanlage am Ufer des Yamuna.
Doch der Traum aller Indienreisenden ist das Taj Mahal. Morgens früh waren noch wenige Touristen unterwegs und so war dieser Traum in aller Ruhe zu genießen. Die traurige Liebeserklärung aus weißem Marmor flößt wohl jedem beim ersten Gegenüberstehen Ehrfurcht ein. Der Mogulherrscher Shajahan ließ 1631 mit dem Bau dieses Mausoleums zur Erinnerung an seine Lieblingsfrau beginnen. 20 Jahre nahm der Bau des Grabmales in Anspruch, er verschlang sämtliche Reichtümer des Kaisers und trieb das Reich in den Bankrott.
Im Innern ist das Mausoleum über und über verziert mit Einlegearbeiten und Reliefs. Die dominante Farbe ist das Weiß des Marmors, jedoch wurden auch Halbedelsteine wie z.B. Achat für Pflanzenblätter und –stiele, sowie Lapislazuli oder Karneol für Blüten verwendet und setzen dezente farbige Akzente.
Nachdem im Taj Mahal und auch beim Roten Fort viel an Marmorintarsien zu sehen waren, wurden die Kenntnisse ergänzt durch den Besuch einer Marmor-​Manufaktur, wo man bei der Herstellung zusehen kann und schöne Souvenirs zu erstehen sind.
Die Züge in Indien haben ein besonderes Flair und die anschließende Nachtfahrt nach Varanasi wird keine Teilnehmerin und kein Teilnehmer jemals vergessen. In Varanasi, früher Benares genannt, führte der Besuch der Ausgrabungen von Sarnath zu den Spuren Buddhas. Das Wesen des Buddhismus im Gegensatz zum Hinduismus suchten die Fremdenführer den Reisenden nahezubringen.
In der lauten und lebendigen Stadt mit den vielen Pilgern, Bettlern und geschäftstüchtigen Händlern, wild hupenden Fahrzeugen vor mitten auf der Straße stehenden Kühen, wurde eine Rikschafahrt zu einem Abenteuer.
Eine Bootsfahrt bei Sonnenaufgang auf dem Ganges führte vorbei an den Badetreppen des Flussufers (Ghats) mit unzähligen im Ganges badenden Gläubigen, während nebenan Wäsche gewaschen wird, Herden von Wasserbüffeln ihr Morgenbad nehmen, die Asche der Toten im Wasser zerstreut wird, Toten ein letztes rituelles Reinigungsbad im Ganges zuteil wird und nicht zuletzt die Scheiterhaufen mit den Toten am Ufer brennen. Direkt schaurig wurde die Atmosphäre am Abend, als die Totenfeiern auf den Ghats stattfanden und der Klang der Glocken, sowie Flammen und Rauch die Stimmung noch vertieften.
Unruhen in Nepal verhinderten die Einreise und so führte die Reise weiter durch Zentralindien nach Rewa. Im Palast beehrte der Maharadscha, dessen Vorfahr den ersten weißen Tiger fing, die Reisegruppe vor dem Dinner mit seiner Anwesenheit und folkloristischen Einlagen von Einwohnern. Ein interessantes kleines Privatmuseum war in den Räumen zu besichtigen.
In Khajuraho begannen erst im Jahr 1906 systematische Ausgrabungen, die zur Wiederentdeckung von mehr als 1000 Jahre alten Tempeln führten. Diese architektonischen Meisterwerke waren seit dem 12. Jahrhundert nicht mehr benutzt, schließlich vom Dschungel überwuchert und vergessen.
Der Baustil der ursprünglich 80 Tempel, von denen noch 24 erhalten sind, verbindet alle Tempelbautraditionen der späten Hindu-​Periode. Die meisten Tempel gehören den hinduistischen Hauptgöttern, einige den Jainas. Die erotischen Abbildungen haben höchstwahrscheinlich ihren Ursprung im Tantrismus, der in diesen Tempeln die Erschaffung der Welt durch die Vereinigung des männlichen und weiblichen Prinzips nachvollzog.
Orccha, ein kleines Dorf am Ufer des Flusses Betwa, war die letzte Station der Rundreise. Ein großer Fortkomplex mit schönen Wandmalereien, der drei Palästen umfasst, zeugt von dem einstigen Glanz im 16. Jahrhundert als Hauptstadt des Königreiches Bundelar. Ein Spaziergang durch den mittelalterlich anmutenden Basar mit einem heiligen Baum auf dem Dorfplatz als Gebetsstätte von Asketen wurde durch einen heftigen Staubsturm beendet.
In Delhi schließlich blieb am letzten Tag noch Zeit für den Besuch eines Hindutempels und des Nationalmuseums mit jahrtausende alten Zeugen indischer Kultur und einer sehenswerten Sammlung von Miniaturmalereien, ehe in der Nacht nach einem Streiktag Air India nach Frankfurt startete.

14 Tage kostenlos und unverbindlich testen?
Das RZ-Probeabo - digital oder klassisch mit Trägerzustellung

1932 Aufrufe
1189 Wörter
4005 Tage 8 Stunden Online

Beitrag teilen

schauorte zwischen Wald und Alb
Schwäbisch GmündNachrichten und Tipps im Remstal

#gemeinsam - Lieferdienste und Hilfsangebote
Corona-Hilfsangebote zwischen Wald und Alb

Hinweis: Dieser Artikel wurde vor 4005 Tagen veröffentlicht.


QR-Code
remszeitung.de/2010/6/29/eine-cdu-reisegruppe-lernte-in-indien-eine-ganz-andere-art-von-gesellschaft-kennen-und-besichtigte-herausragende-zeugnisse-der-indischen-architektur/