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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Samstag, 21. Dezember 2013

Auch kritische Töne des Betriebsrats bei ZFLS-​Jahresbilanz

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Keine Frage , auch für den Betriebsrat, es läuft derzeit richtig rund beim größten „Brötchengeber“ in Schwäbisch Gmünd. Dennoch sind vor allem die Blicke in die Zukunft der ZF Lenksysteme GmbH nicht frei von Sorgen: Die Mitarbeitervertreter hinterfragten gestern in ihrer „Jahresbilanz-​Pressekonferenz“ insbesondere das neueste Auslandsengagement in Ungarn sehr kritisch.

SCHWÄBISCH GMÜND (hs). Joschi Moser und die Betriebsratsführungsspitze Harald Brenner und Elmar Kluske sowie der Vorsitzende der Jugend– und Ausbildungsvertretung Alessandro Lieb hatten zu diesem Pressegespräch am Ende des erfolgreichen ZFLS–Jahres eingeladen, um aus der Sicht ihrer aktuell über 5500 Kolleginnen und Kollegen die Entwicklung des Unternehmens zu schildern, vor allem auch, um gegen befürchtete Fehlentwicklungen in der längerfristigen Unternehmensstrategie Front zu machen. Gleich eingangs beschrieb Elmar Kluske die Wahrnehmung seit Gründung des Gemeinschaftsunternehmens ZFLS GmbH durch die ZF Friedrichshafen AG und die Robert Bosch GmbH (Januar 1999), dass der frühere „ZF Stiftungs-​Geist“ gegenüber dem 50-​Prozent-​Partner Bosch mehr und mehr in den Hintergrund rücke. Dies bekomme die Belegschaft zu spüren.
Im Folgenden kam Kluske auf das Thema Erfolgsbeteiligung zu sprechen. Der Betriebsrat führe da seit drei Jahren einen heftigen „Abwehrkampf“, um diese außertarifliche, jedoch verdiente Zugabe zu bewahren. Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Elmar Kluske erinnerte an Motivation, traditionelle persönliche Verbundenheiten und Bereitschaft seiner Kolleginnen und Kollegen, Sonderschichten und Überstunden zu fahren, wenn’s sein muss auch an den Wochenenden. Die Mitarbeiter seien die „hervorragenden Zugpferde der guten Geschäftsentwicklung“. Es spreche nicht gerade für das Feingefühl der Unternehmensleitung, wenn nun an der Erfolgsbeteiligung, die jedes Jahr im Sommer ausbezahlt wird, gekratzt werde.
Elmar Kluske umschrieb diese Sonderzahlung als eine Art zusätzliches Weihnachtsgeld: „Wenn man das über 5000 Mal für Gmünd hochrechne, dann hat das durchaus auch Bedeutung für Einzelhandel und Gesamtwirtschaft.“ Die Erfolgsbeteiligung sei auch als Ausgleich dafür zu verstehen, dass die Personaldecke im Bereich Montage und Fertigung doch recht dünn, die gesundheitliche Belastung dafür hoch sei, wenn auch nachts und an den Wochenenden gearbeitet werde, um Spitzen bewältigen zu können.
Jugend-​Vertreter Alessandro Lieb forderte die Unternehmensführung eindringlich dazu auf, die Ausbildungskapazitäten „in der Langzeitplanung hochzufahren“. Dies sei dringend notwendig, um den Erfolg des Unternehmens angesichts zukünftiger Markt– und Demografie-​Herausforderungen zu sichern. Seit vielen Jahren schon stagniere die Zahl der Auszubildenden bei 202, obwohl die Belegschaft insgesamt stark gewachsen und sich ein Facharbeitermangel abzeichne.
Betriebsratsvorsitzender Harald Brenner ergänzte, dass es auch ausbildungspolitisch und sozial geboten sei, verstärkt auch die Hand nach Hauptschulabsolventen auszustrecken.
Die größte Sorge beim gestrigen Pressegespräch der Betriebsräte war mit einem Blick nach Ungarn verbunden. ZFLS errichtet bei Makl´ar eine neue Produktionsstätte. Sehr heftig gingen die Belegschaftsvertreter in diesem Zusammenhang mit der Informationspolitik der Geschäftsleitung ins Gericht. Diese Investition in einen neuen Standort (insgesamt 18 Hektar stehen als Entwicklungsfläche zur Verfügung, 800 Arbeitsplätze allein im ersten Abschnitt) sei „geheimnisumwittert“. Betriebsratschef Harald Brenner berichtete aus zwei Betriebsversammlungen und anderen Bemühungen, „bei denen wir der Geschäftsleitung konkrete Fragen gestellt, aber bis heute keine konkreten Antworten erhalten haben“. Es gehe längerfristig um die strategische Frage, wo das aktuelle Erfolgsprodukt der Elektrolenkungen gebaut werde. Dass entsprechende Produktionsstandorte für ZFLS–Produkte beispiels nah an asiatischen und amerikanischen Märkten errichtet wurden und werden, das sei hier nicht die strittige Frage. Elmar Kluske konkret: „Wir haben in diesem Fall aber erstmals die Befürchtung, dass ein Filetstück und das Zukunftsprodukt schlechthin, das in Gmünd entwickelt und hier mit Erfolg produziert wird, ins benachbarte Ausland abwandert.“ Harald Brenner meint, dass in den nächsten zwei, drei Jahren in Gmünd gewiss nichts passieren werde, doch längerfristig gebe es doch Angst um den Arbeitsplatz.
Wie schlecht die Kommunikation seitens der Geschäftsleitung dem Betriebsrat gegenüber in der Ungarn-​Frage sei, führten die Betriebsräte mit einem Youtube-​Video örtlicher Medien vor Augen. In dem Filmbeitrag feiern ZFLS–Vertreter und die ungarischen Partner das neue Werk und zeigten bereits Bauarbeiten, von denen die Mitarbeitervertreter zu diesem Zeitpunkt noch nichts Konkretes gewusst hätten. Erstaunlich sei, dass dieses ungarische Video aus dem Internet plötzlich wieder verschwunden sei, nachdem die Betriebsräte in Gmünd kritische Fragen dazu gestellt hätten. Fazit des Betriebsrats: „Diese Geheimstrategie bereitet uns Sorgen.“

 

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