Startseite REMS-ZEITUNG – Montag, 26. September 2016 Rems-Zeitung bei Facebook Rems-Zeitung bei Google+ Rems-Zeitung bei Twitter Rems-Zeitung RSS-Feeds Kontakt
Ihre Ansprechpartner in der Lokalredaktion
Die Geschichte der Rems-​Zeitung
Ihre Ansprechpartner in der Werbeberatung
Unsere Mediadaten als PDF
Unsere Themenwelten /​Sonderveröffentlichungen
Ihre Ansprechpartner im Bereich Abo und Service
Kostenloses Probeabo
Aktionsabo zu Sonderkonditionen
Nachsendung und Lieferunterbrechung
Unser Leser werben Leser Prämienprogramm
Übersicht Leserreisen
Übersicht Bücher und mehr
Private Kleinanzeige online aufgeben
Schwäbisch Gmünd
Rosenstein
Lorch
Leintal/Frickenhofer Höhe
Schwäbischer Wald
Waldstetten/Stuifen
Welzheimer Wald
Ostalbkreis

Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Montag, 31. März 2014

Klinisches Ethikkomitee begleitet und berät bei Entscheidungen am Ende des Lebens

Galerie (1 Bild)

Immer stärker werden Kliniken als medizinische Unternehmen ökonomischen Zwängen unterworfen. In privaten mit Erwartungen an das Shareholder Value noch mehr als in Kliniken der Städte oder Landkreise. Entscheidungen zum Wohl des Patienten belasten zunehmend Ärzteschaft und Pflegepersonal.

SCHWÄBISCH GMÜND (apr). Im Stauferklinikum unterstützt ein Klinisches Ethikkomitee (KEK) das Klinikpersonal, den Patienten und dessen Angehörigen. Krankenhäuser müssten eigentlich Gesundheitshäuser heißen, denn sie sind dafür rund um die Uhr in Betrieb, um Menschen aus der Region gesund zu machen. Aber es gibt auch Menschen, die sehr krank und oftmals auch sehr alt in die Klinik kommen. Und genau an diesem Punkt setzen oftmals innere Konflikte der behandelnden Ärzteschaft, aber auch immer wieder mit den Angehörigen ein. Die Fragen „Wie behandle ich noch?“, „Was behandle ich?“, „Sollen lebensverlängernde, aber vielleicht nicht mehr sinnvolle Maßnahmen weitergeführt oder eingestellt werden?“, belasten in einem Spannungsbogen den Arzt und Patienten, wenn er ansprechbar ist, sowie die Angehörigen. Hier zu vermitteln, Empfehlungen zu geben, Patienten und Angehörigen auf dem unumkehrbaren Weg zu begleiten – dieser Aufgabe widmet sich das Klinische Ethikkomitee. Im KEK, wie es kurz genannt wird, haben sich der ärztliche Bereich der Klinik, der Palliativbereich, der Pflegedienst sowie die externen Einrichtungen wie Hospizdienst, Brückenpflege, Betreuung zu Hause und auch externe Mediziner zusammengefunden. Ebenfalls mit im Boot sind die Sozialdienste, die Krankenpflegeschule sowie die Klinikverwaltung. Der Vorsitzende des Ethikkomitees, Dr. Manfred Wiedemann, stellt im Gespräch die Aufgaben des Komitees vor. Diese befassen sich primär mit Fragen am Ende des Lebens. Wo ein Einzelner in seinen Entscheidungen überfordert ist, hilft und unterstützt die interdisziplinäre Gruppe. Das KEK besteht aus dem ethischen Konsil und der ethischen Visite. Die Arbeit des Ethikkomitees ist mit einer Satzung geregelt, es hat eine eigene Leitung und ist als eigenständiges Modul in der Klinik integriert. Ingrid Bätz von der Hospizgruppe Schwäbisch Gmünd ist Mitglied im Ethikkomitee von Anfang an. Sie betont die Notwendigkeit des Besuches und der Begleitung von Patienten, es müsse die Würde des Menschen bis an das Lebensende bewahrt werden. Aber auch die oftmals überforderten Angehörigen darf man nicht alleine lassen, sie sind ebenso wie die pflegenden Personen des Klinikums ständigen Belastungen ausgesetzt, die innerhalb der alternden Gesellschaft nicht weniger werden. Ingrid Bätz lobt ausdrücklich die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Palliativstation und Hospiz innerhalb der KEK. „Die Zeit für die Einrichtung der Ethikkomission war reif. Die unantastbare Würde des Menschen zu wahren, bis an sein Lebensende, ist ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“ Claudia Becker, Leiterin der Palliativstation und stellvertretende Vorsitzende des Komitees, sieht täglich die zwingende Notwendigkeit, die Last der Pflege auf dem letzten Weg des Patienten auf viele Schultern zu verteilen, die Entscheidungen der Ärzte, die abschließend entscheiden müssen, stützen, die Angehörigen begleiten. Dr. Wiedemann ergänzt, dass im ethischen Konsil immer ein Moderator anwesend ist. Das Konsil vermittelt bei Fragen, ob zum Beispiel eine Therapie sinnvoll ist, wenn die Unheilbarkeit der Krankheit allen bekannt ist. „Klar ist jedoch, dass der erklärte Patientenwille immer Vorrang hat, soweit er klar und deutlich im Gespräch oder in einer Verfügung artikuliert wird.“ Das ethische Konsil trifft sich im „Notfall“ auch rasch, wenn zum Beispiel entschieden werden muss, wird noch operiert oder nicht. Immer wird jedoch auf das Wohl des Patienten geachtet, das soziale Umfeld des Patienten wird recherchiert, ebenso weltanschauliche oder religiöse Befindlichkeiten sowie soziale Folgen für den Patienten. Das Konsil kommt zu einer einheitlichen Lösung, die als Handlungsempfehlung an den Arzt gegeben wird. Dieser ist nicht daran gebunden, wird sie aber annehmen. Großes Augenmerk legt Dr. Manfred Wiedemann auf die permanente Ausbildung und Schulung der Mitglieder des KEK. Die Moderatoren werden in Würzburg und am Klinikum direkt ausgebildet. „Oftmals gibt es Trockentraining, hier beraten die Mitglieder einen fiktiven Fall, der aber auf einem tatsächlichen Patienten basiert. Begleitet wird dieses Training oftmals von Dr. Hans-​Jörg Lorenz, dem Leitenden Arzt der Intensivstation. Darüber sind wir sehr dankbar.“ Über etwas Besonderes gewachsenes berichtet Claudia Volk, Mitglied der ethischen Visite, beschäftigt bei der palliativen Brückenpflege. Mit der SAPV, der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung, werden Patienten in einem Umkreis von 60 Kilometer bis in den Donau-​Ries-​Kreis betreut. Insbesondere bei Schmerzen, Unwohlsein und Unruhe stehen die wertvollen Helfer Patienten und Angehörigen zur Seite. „Wir haben eine Vernetzung geschaffen für kranke Menschen und ihre Angehörigen. Dieses Netz ermöglicht es, dass diese Menschen zu Hause betreut werden können. Häufig werden in diesem Netzwerk junge, unheilbar kranke Menschen betreut“, so Claudia Volk im Gespräch. Sehr wichtig ist allen Gesprächsteilnehmern, dass die Themen unheilbare Erkrankungen bei jungen und alten Menschen, ein würdiger letzter Weg, eine optimale, möglichst schmerzfreie oder schmerzarme Betreuung bis zum Ende des Lebens ins Bewusstsein der Menschen kommt. Jeder kann jeden Tag Betroffener werden, als erkrankter Mensch mit der Diagnose unheilbar, oder als betroffener Angehöriger. Viele Frage stürzen auf die Betroffenen ein, es müssen Regelungen getroffen werden, die Betreuung muss organisiert werden und und und. Bei vielen diesen Fragen, im Umgang mit der Erkrankung und im Bewusstsein der Endlichkeit des Lebens stehen Menschen bereit, die begleiten, beraten und trösten. Schön, dass es sie gibt, diejenigen, die das Klinische Ethikkomitee am Stauferklinikum mit Leben erfüllen.
 

QR-Code
remszeitung.de/2014/3/31/klinisches-ethikkomitee-begleitet-und-beraet-bei-entscheidungen-am-ende-des-lebens/