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Lokalnachrichten

» Schwäbisch Gmünd | Samstag, 28. Oktober 2017

Nachruf auf Meinrad Sigg

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Foto: has

Am Donnerstagnachmittag leitete Meinrad Sigg noch die Redaktionskonferenz in seiner Rems-​Zeitung, ein paar Stunden später kam die für alle schockierende Nachricht: Meinrad Sigg ist tot!

Fassungslos mussten dies die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verlags der ältesten noch erscheinenden Tageszeitung in Baden-​Württemberg zur Kenntnis nehmen. Dabei war Meinrad Sigg erst in den vergangenen Wochen wieder richtig aufgeblüht, nachdem er eine Operation sehr gut überstanden hatte und auf dem besten Wege war, wieder seine täglichen Spaziergänge mit dem Hund zu unternehmen.
Diese waren für ihn gleichzeitig Entspannung und Ablenkung vom täglichen Zeitungsgeschäft, das Meinrad Sigg von der Pike auf gelernt hatte. Einer Ausbildung als Schriftsetzer folgten verschiedene Praktika im In– und Ausland. Sehr prägend war für ihn die Zeit bei den Badischen Neuesten Nachrichten, deren früherer Verleger, Wilhelm Baur, ihm als Vorbild diente. Bis zuletzt.
Baur war nämlich noch im hohen Alter täglich im Verlag und stand allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Rat und Tat zur Seite. Für Meinrad Sigg hatte die Arbeitswoche sechs Tage. Und zwar volle Tage, mit Ausnahme des Samstags, an dem er vormittags die wichtigsten Dinge erledigte und den Nachmittag zu einem Spaziergang oder auch zu einer längeren Wanderung mit seinem Hund nutzte. Immer in der Umgebung, mal in Heubach, Lauterburg, Bartholomä oder Essingen, denn „dort, wo andere Urlaub machen, bin ich zu Hause“, hatte der Zeitungsverleger vor einigen Jahren in einem Band geschrieben, den der Ostalbkreis herausgebracht hat.
Er lebte für die Rems-​Zeitung und er hatte immer das Ohr am Leser. Denn nichts war ihm wichtiger als die Leser, denen er auch schon mal selbst die Zeitung vorbeibrachte, wenn aus irgendwelchen Gründen die Zustellung nicht geklappt hat.
Meinrad Sigg hat im letzten halben Jahrhundert hautnah die Entwicklungen im Zeitungswesen miterlebt, aber auch mitgestaltet. Dem guten (oder auch weniger guten) alten Bleisatz – die meisten jüngeren Menschen werden gar nicht mehr wissen, was damit gemeint ist – folgte die Umstellung auf den Fotosatz. Hier ging die Rems-​Zeitung schon führend voran und war vor gut 20 Jahren der erste Verlag in ganz Europa, der die digitale Fotografie in Verbindung mit dem Ganzseitenumbruch, also die grafische Gestaltung der Seiten, eingeführt hat. Große Verlage und Fotoagenturen gaben sich in Gmünd die Türklinke in die Hand und holten sich Rat bei der kleinen lokalen Rems-​Zeitung.
Das war aber auch typisch für Meinrad Sigg: Er hat sich nie von Entwicklungen treiben lassen, er hat sie selbst vorangetrieben. Immer auf der Suche nach Veränderungen, nach Verbesserungen. Er hatte auch das richtige Gespür, als andere Verlage in den 80er-​Jahren auf das Pferd „Rundfunk“ gesetzt haben. Er hat die Finger davon gelassen und nur auf die gedruckte Zeitung mit entsprechendem lokalen Inhalt gesetzt.
Viel schwerer fiel ihm danach die Entscheidung, die eigene Druckerei aufzulösen und den Zeitungsdruck nach Stuttgart zu vergeben. Allerdings war ihm dabei das wichtigste, dass der Rems-​Zeitung ihre Eigenständigkeit erhalten bleibt. In einer Zeit, in der immer mehr kleinere Verlage von großen geschluckt wurden oder ganz aufgegeben haben.
Auch im Zeitalter des Internet hat Meinrad Sigg nie den Glauben daran verloren, dass eine gut gemachte Lokalzeitung weiterhin eine Zukunft haben wird. Auf den Inhalt kommt es an, nicht auf die Art und Weise der Verbreitung. Wer seine Rems-​Zeitung am Bildschirm oder auf dem Smartphone lesen will, der kann sein Abonnement auch digital bekommen.
Sigg selbst war schon immer ein Technik-​Freak. Dies galt bei ihm fürs Fotografieren und Filmen, aber auch am Feierabend zu Hause, als er vor einigen Jahren ein großes Lokomotiven-​Modell gebaut hat, das unter Dampf auf Schienen voll funktionsfähig ist. Es schmückt sein Büro im zweiten Stock in einem der ältesten Häuser Gmünds in der Sebaldstraße. Dieses Haus, gebaut als Kolumbus Amerika noch nicht entdeckt hatte, war eigentlich abbruchreif. Doch hier brachte Meinrad Sigg Tradition und Moderne zusammen, ließ es liebevoll restaurieren, und seitdem wird es als Geschäftshaus mit Büroräumen genutzt. Moderne Computer in uralten Gebäuden. Für die Umgestaltung hat der Verlag den Denkmalpreis erhalten. Die Mitarbeiter nannten das Gebäude bald „Kolumbushaus“, und das Besprechungszimmer ganz unter dem Dach wurde von heute auf morgen die St.-Meinrads-Kapelle.
In Meinrad Sigg schlug ein großes soziales Herz. So hat er mehrere Spendenaktionen initiiert, nachdem er sich zuvor immer vor Ort von der Notwendigkeit der Hilfe überzeugt hatte. Egal ob dies in Kambodscha war, zweimal in Italien, in der Türkei und auch für die hinterbliebenen Kinder der Opfer eines Eisenbahnunglücks von Schönaich hat er sich nicht gescheut, um Spenden zu bitten. Viele hunderttausend Euro sind da zusammengekommen.
Sein Name war die Gewähr, dass die Mittel eins zu eins bei den Bedürftigen angekommen sind.
Für sein großes soziales Engagement erhielt er den italienischen Verdienstorden (Cavaliere) und das deutsche Bundesverdienstkreuz.
Auch ehrenamtlich war der Verleger der Rems-​Zeitung tätig. Erst holte man ihn beim Gmünder Handels– und Gewerbeverein als Vorsitzenden, als der Verein drohte, auseinanderzubrechen. Später war er Rettungsanker als Vorsitzender des Tierschutzvereins Ostalb, den seine Mutter Rosa Sigg einst mitgegründet und unterstützt hat. Als Meinrad Sigg den Tierschutzverein übernommen hatte, war in Deutschland gerade die Diskussion über Kampfhunde. Diese Tiere konnte und durfte man ohne bestandenen Wesenstest nicht mehr vermitteln und viele Hunde wurden darauf hin getötet. Er aber sagte, „so lange ich Vorsitzender bin, wird kein Hund getötet.“ Fortan hatte er einen Bullterrier als eigenen Hund, ein Hund, der gern mit Kindern spielte und der von jedem gestreichelt werden wollte. Nicht der Hund ist die Bestie, sondern der Mensch, der ihn dazu macht!
Und noch etwas über den Mensch Meinrad Sigg: Er war allem Neuen aufgeschlossen, seine Haltung war liberal und konservativ. Er hat immer wieder Anregungen gegeben, so zum Beispiel auch für die samstags auf der ersten Lokalseite der Rems-​Zeitung stehenden „Marginalien“, deren Schriftzug von ihm persönlich geschrieben wurde. Weshalb wir diese „Randbemerkungen“ auch am Samstag auf der Seite haben stehen lassen.
Man hat ihm manchmal vorgeworfen, man sehe ihn ja so gut wie nie bei Veranstaltungen. Doch damit hat sich Meinrad Sigg seine Neutralität bewahrt, die er vorlebte. Nur wenn er davon überzeugt war, sich auf eine Seite zu schlagen, dann hat er es getan. Zum Beispiel beim Kampf um den Erhalt der Rettungswache in Gmünd oder beim Kampf um den Tunnel durch Gmünd. Sein Wort hatte Gewicht und er hat sich immer hinter die Schwächeren gestellt. Viele Menschen trauern um einen sehr sozial eingestellten Mensch. Das Mitgefühl gilt seiner Frau und seiner Tochter.


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remszeitung.de/2017/10/28/nachruf-auf-meinrad-sigg/