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Nachrichten Rehnenhof-Wetzgau

Corona-​Pandemie: Die Angst und das Leid hinter den Zahlen

Foto: hs

Der heftige Corona-​Ausbruch mit mittlerweile 13 Todesopfern und rund 150 positiv getesteten Heimbewohnern und Mitarbeitern im Gmünder Stadtteil Wetzgau beschäftigt die Menschen sehr. Mittlerweile haben sich auch Angehörige von Verstorbenen zu Wort gemeldet.

Dienstag, 26. Januar 2021
Heino Schütte
2 Minuten 20 Sekunden Lesedauer

Eine Familie beschreibt der Rems-​Zeitung anhand ihres Beispiels die Angst und das Leid, was hinter all den Zahlen steckt, die täglich in den Corona-​Bilanzen bekannt gegeben werden. Es wird aber auch dargelegt, dass besorgte Angehörige schon ab dem 2. Januar die Behörden darauf aufmerksam gemacht haben, dass sich Corona-​Fälle im Senioren-​Zentrum Wetzgauer Berg häufen und dass dort vordringlich mit einer Impfaktion begonnen werden müsse. Gleichzeitig werden aber auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Einrichtung in Schutz genommen. Mit großem persönlichen Engagement und aufopferungsvoll kämpfe sich das Personal durch die Krise. Das Seniorenzentrum Wetzgauer Berg (Haus Edelberg GmbH) sei eine sehr gute Einrichtung, die Verstorbene habe sich dort sehr wohl gefühlt. Kritisiert wird das System mit den Impf-​Verzögerungen. Mehr dazu am Dienstag in der Rems-​Zeitung.
Zum Thema hier gleich ein Kommentar von RZ-​Redakteur Heino Schütte:

Grausames Virus
Die Gmünder Corona-​Welle mit Demos und unguter Infopolitik

Bei der ersten Corona-​Welle vor einem Jahr waren Angst und Bedrohung noch weit weg. Viele haben aber nun bei der zweiten Welle die leidvolle Erfahrung machen müssen, dass die „Einschläge immer näher kamen“, wie ein Sprichwort treffend besagt. Das Virus ist nicht abstrakt und ganz gewiss keine Erfindung der Medien oder gar von Impfstoffspekulanten, wie manche „Querdenker“ immer noch hartnäckig fabulieren. Grausam, wie leise und einsam das Sterben an oder auch „nur“ mit Corona ist. Wir erfahren Geschichten, die zu Tränen rühren: Eine Altenpflegerin etwa, die an Corona erkrankte, sich wieder schnell aufpäppelte, um gleich wieder ihre Schützlinge mit ungezählten Überstunden zu betreuen. Sie hat das Virus aus dem Heim nach Haus mitgebracht und ihren Mann angesteckt, der nun in der Klinik im Sterben liegt. Angehörige und Heimbewohner hoffen, dass die vielen Showveranstaltungen für Funk und Fernsehen anlässlich von irgendwelchen Impfstarts endlich ein Ende haben und tatsächlich einfach nur geimpft wird. Und einer unglaublichen Verhöhnung der Opfer und des Pflegepersonals kommen zwischenzeitlich die Demos von Impfgegnern und Corona-​Leugnern gleich. Sie schämen sich nicht, ihre Aufmärsche sogar direkt vor Pflegeheimen zu zelebrieren. Die Provokationen gipfeln in persönlichen Angriffen und Beleidigungen, die auch in einer freiheitsliebenden Demokratie kaum noch auszuhalten sind.
Auch beim Corona-​Ausbruch im Seniorenzentrum Wetzgauer Berg sind persönliche Schuldzuweisungen völlig fehl am Platz. Das betonen auch Angehörige von Verstorbenen. In dieser Ausnahmesituation leisten sowohl einzelne Pflegekräfte als auch die Verantwortlichen in den Behörden und Verwaltungen Übermenschliches. Landrat Dr. Joachim Bläse trägt ganz gewiss nicht die Schuld, dass eine zügige Beschaffung des Impfstoffs von der Politik auf Bundes– und Europaebene völlig verkorkst wurde.
Was aber auf örtlicher Ebene (Einrichtungsträger, Landkreis– und Kommunalverwaltung) verbessert werden kann und muss, ist eine aktive Informationspolitik. Tagelang wunderte man sich in Schwäbisch Gmünd über explodierende Infektionszahlen. Sogar OB Richard Arnold wusste keine rechte Erklärung, was da in seiner Stadt Unheimliches passiert. Die Gerüchteküche kochte. Eher beiläufig kam der extreme Corona-​Ausbruch mit rund 150 positiv Getesteten und vielen Todesopfern in Wetzgau ans Tageslicht, obwohl das Seniorenzentrum schon fast eine Woche lang unter Quarantäne gestellt worden war. Die vielen Bewohner in der unmittelbaren benachbarten Seniorenwohnanlage warten bis heute auf Informationen von Behörden oder Hausverwaltung, trauen sich kaum noch aus dem Haus. Bei einer solchen Öffentlichkeitsarbeit muss man sich nicht wundern, wenn schon die nächsten Verschwörungstheoretiker an den Start gehen.



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