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Handwerkskammer will Öffnung von Friseuren und Kosmetikern erreichen

Foto: handwerkskammer

Viele Betreiber von Kosmetik– und Nagelstudios sowie Friseurbetrieben und Barbershops fürchten um ihre Existenz und erhalten die zugesagten Entschädigungszahlungen nicht. Die Handwerkskammer Ulm macht sich jetzt für eine zeitnahe Wiedereröffnung dieser Handwerksbetriebe stark.

Dienstag, 26. Januar 2021
Nicole Beuther
2 Minuten 16 Sekunden Lesedauer

Bei Einhaltung aller Hygienestandards könnten Friseurbetriebe und Kosmetikstudios wieder öffnen. In einem persönlichen Brief an Baden-​Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, Sozialminister Manfred Lucha und Wirtschafts– und Arbeitsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-​Kraut hat die Handwerkskammer Ulm zusammen mit allen Friseur– und Kosmetikerinnungen ihres Bezirks zwischen Ellwangen und Überlingen auf die brisante und existenzbedrohliche Situation des Kosmetiker– und Friseurhandwerks hingewiesen und eine Wiedereröffnung angemahnt. Ziel ist es, dass die Landesregierung durch eine Klarstellung der Corona-​Verordnung für das Land Baden-​Württemberg eine Betriebsöffnung für diese Handwerke ab Februar 2021 ermöglicht. „Zwangsschließung, ohne dass Entschädigungen ankommen: das ist eine Mischung, die viele nicht aushalten. So kann es nicht einfach immer weiter und weiter gehen“, so Joachim Krimmer, Präsident der Handwerkskammer Ulm.
Seit Mitte Dezember 2020 sind im Zuge eines zweiten Lockdowns alle körpernahen Dienstleistungen untersagt. Friseure und Kosmetiker hatten schon in der ersten Lockdown-​Phase im Frühjahr 2020 eine schwierige Phase durchlebt. Die erforderlichen Hygienemaßnahmen und –konzepte wurden aber konsequent umgesetzt – unter teils erheblichem finanziellem Aufwand. In dem Brief der Handwerkskammer an die Landesministerien wird deutlich gemacht: Durch das Mitte Dezember vergangenen Jahres verhängte zweite Tätigkeitsverbot kämpfen jetzt viele Betriebe ums Überleben und somit auch um den Erhalt von Arbeits– und Ausbildungsplätzen. Die Handwerkskammer Ulm hatte speziell auch für die Kosmetikbranche eigene und verschärfte Hygienekonzepte erarbeitet, mit denen umfassender Gesundheitsschutz vor Infektionen möglich ist, ohne die Betriebe zu schließen. Das Handwerk hatte die Schließungen im Dezember angesichts hoher Zahlen und schneller Entwicklung akzeptiert. „Die Lage ist permanent neu und aktuell zu bewerten. Wir halten die Schließung der Betriebe jetzt nicht mehr für verhältnismäßig. Die Schädigung von Betrieben wächst ins Unermessliche – ohne Ausgleich, und das trotz vorliegender Konzepte, die die Sicherheit gewährleisten“, sagt Krimmer.
Hinzu kommt, dass die angekündigten Hilfsgelder des Bundes weiter auf sich warten lassen. Im regionalen Handwerk wächst deshalb der Unmut. Die Auszahlung der Novemberhilfe an Betriebe, die von der Zwangsschließung wegen Corona schon Anfang November 2020 betroffen waren – hierzu zählen etwa Kosmetiker – läuft nach wie vor schleppend an. Bis Ende vergangener Woche hatten die Förderbanken der Länder gerade einmal mehr als 400 Millionen Euro überwiesen. Das sind rund neun Prozent der zur Verfügung stehenden knapp fünf Milliarden Euro. Nicht einmal jeder zweite Antragsteller hat erste Abschlagszahlungen erhalten. Für die Dezemberhilfe stehen vom Bund weitere mehr als drei Milliarden Euro bereit, reguläre Auszahlungen hat es bisher aber noch nicht gegeben. Bislang haben lediglich rund 36 Prozent der Betroffenen Abschläge erhalten. Wer, wie Friseure, erst Mitte Dezember schließen musste, kann demnächst nur die Überbrückungshilfe III beantragen. Zurzeit ist die Antragsstellung diesbezüglich aber noch nicht möglich.

Im Gebiet der Handwerkskammer Ulm von der Ostalb bis zum Bodensee gibt es insgesamt 1381 Kosmetikbetriebe und 1699 Friseurbetriebe. Somit sind allein in diesen beiden Gewerken mehr als 3000 der insgesamt 19 500 Betriebe von den aktuellen Schließungen direkt betroffen. In diesen Betrieben arbeiten knapp 10 000 Beschäftigte.

Die regionalen Friseur– und Kosmetikerinnungen haben an der Erstellung des Briefs an die Landespolitiker mitgewirkt und diesen unterzeichnet, darunter auch Obermeisterin Jutta Grames von der Friseurinnung Schwäbisch Gmünd. Im Ostalbkreis gibt es 283 Kosmetiker und 402 Friseure.

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