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Nachrichten Ostalb

Kliniken können bald nur noch absolute Notfälle aufnehmen — Bundeswehr hilft wieder

Foto: lrao

„Die Corona-​Lage in den Kliniken Ostalb wird zunehmend kritischer!“, schlägt Landrat Dr. Joachim Bläse angesichts der aktuellen Situation Alarm. Man sei kurz davor, dass nur noch absolute Notfälle wie Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Unfallopfer operiert werden können. Krebspatienten müssten dann warten. Seit Donnerstag sind auch wieder Bundeswehr-​Angehörige zur Unterstützung im Ostalbkreis im Einsatz.

Freitag, 03. Dezember 2021
Gerold Bauer
3 Minuten Lesedauer

Am Freitag, 3. Dezember, zogen die Mitglieder eine erste Bilanz nach dem Start der kreisweiten Impfkonzeption. Während sich das Landratsamt in Sachen Impfen recht zufrieden zeigt und auch eine steigende Zahl von Erstimpfungen verweist, wird die Verschlechterung der Situation an den Kliniken Ostalb beklagt. Auch die Verfügbarkeit von Antigen-​Schnelltests sei nicht so gegeben, wie es sein sollte.

Dezernent Thomas Wagenblast konnte von einer Impfquote — bezogen auf die Gesamtbevölkerung im Kreis — von 67,2 Prozent bei den Erst– und 64,2 Prozent bei den Zweitimpfungen berichten. Damit sei die Impfquote binnen einer Woche um 0,9 bzw. 0,6 Prozent gestiegen. Für den Landrat ist dies ein deutliches Signal dafür, dass die niederschwelligen Impfangebote dezentral vor Ort auch von Teilen der Bevölkerung angenommen werden, die man bisher nicht erreicht hatte.

In Schwäbisch Gmünd, wo ab diesem Wochenende anstelle der Schwerzerhalle im CongressCentrum im Stadtgarten geimpft wird, könne ein vergrößertes Impfangebot gemacht werden. Dort seien auch noch Termine verfügbar, die über die Homepage der Stadt gebucht werden können. Bewährt habe sich der Mix aus Terminbuchung und freiem Zugang zum Impfen in den Kommunen. Impfstoff stehe ausreichend zur Verfügung. „Allerdings können wir nicht in jedem Fall den Wunschimpfstoff zur Verfügung stellen. Deshalb bitte ich alle über 30-​Jährigen auch für Moderna offen zu sein, vor allem bei Booster-​Impfungen. Auch ich habe mich mit Moderna boostern lassen, denn dieser Impfstoff ist genauso gut und wirksam wie BioNTech“, so Bläse.

Seit Donnerstag seien erneut Kräfte der Bundeswehr im Kreis. Fünf Soldaten wurden über einen Hilfeleistungsantrag des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr angefordert. Die Soldaten der Deutsch-​Französischen Brigade Jägerbataillon 291 leisten logistische Unterstützung für die Impfstützpunkte und Impfteams.
Lieferschwierigkeiten zeichnen sich bei der Versorgung der Städte und Gemeinden mit Antigen-​Schnelltests ab. „Der Bedarf an Testkits ist wegen der 3G– und 2G+-Regelungen überall stark gestiegen. Dies wirkt sich zum einen auf die Preise und zum anderen auf die Verfügbarkeit aus. Uns erreichen erste Meldungen, dass Tests in den Schulen knapp werden“, informiert der Landrat. Er betont aber, der Ostalbkreis werde versuchen, bei der Versorgung zu überbrücken oder der Koordination zwischen den Kommunen zu unterstützen.

Sehr besorgniserregend ist hingegen die Lange in den Kliniken. Von 27 Intensivbetten seien am Freitag, 3. Dezember, zwölf mit Coronapatienten belegt. Angesichts der nach wie vor hohen Infektionszahlen und der Erfahrung, dass die Patienten zeitversetzt um etwa zwei Wochen ins Krankenhaus kommen, sei damit zu rechnen, dass der Druck auf die Intensivstationen noch weiter steigt. Nicht mit Corona infizierte Intensivpatienten wurden bereits in die Klinik nach Neresheim verlegt, um Entlastung für die Kliniken Ostalb zu schaffen. „Weil wir bereits vor längerem alle planbaren Operationen aufgeschoben oder abgesagt und zudem die klinischen Ambulanzen geschlossen haben, konnten wir bislang auf den Intensivstationen Platz schaffen für absolute Notfälle und Coronainfizierte“, erläutern Dr. Bläse und Prof. Dr. Ulrich Solzbach, Vorstandsvorsitzender der Kliniken Ostalb. „Wenn die Entwicklung aber so weiterläuft, dann müssten wir auf Notfallstufe gehen. Das heißt Operationen müssten noch weiter reduziert werden — mit der Folge, dass dann nur noch akute Notfälle wie Herzinfarkt oder Schlaganfall behandelt werden könnten. OPs von Krebspatienten z. B. müssten wir dann möglicherweise hintanstellen.“ Dies sei zwar von niemandem gewollt und stelle sowohl für die Patienten als auch für Ärzte und Pflegekräfte eine enorme Belastung dar, lasse sich unter Umstände aber nicht mehr allzu lange ver​mei​den​.Es werden deshalb Überlegungen angestellt, wie Personal aus weniger belegten Stationen auf die Corona-​Isolier– und –Intensivstationen umgeschichtet werden kann. Als Ersatz wolle man dann Personal, eventuell auch über die Helfenden Hände der Bundeswehr, für diese Bereiche suchen. Auch Verlegungen von Corona-​Intensivpatienten über die Cluster in andere Bundesländer wollen Solzbach und Bläse nicht gänzlich ausschließen, sollte die Infektionswelle nicht gestoppt werden.
Die Einrichtung von Behelfskrankenhäusern in Sporthallen, wie in der ersten und zweiten Coronawelle, ziehen der Landrat und Prof. Solzbach nicht in Erwägung, denn wie die Erfahrung gezeigt habe, seien nicht die Betten das Problem, sondern der Mangel an Pflegekräften, vor allem solche mit Intensiv-​Ausbildung. Beide appellieren deshalb eindringlich, die Notaufnahmen in den Kliniken Ostalb auch wirklich nur im äußersten Notfall aufzusuchen und bei anderen gesundheitlichen Problemen die niedergelassenen Ärzte zu konsultieren.

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