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Marginalien: Auf dem Weg in einen neuen Lockdown?

Symbol-​Foto: gbr

Wetterbedingt wird sich vieles, was im Sommer im Freien stattfindet, ab dem Herbst in Innenräume verlagern. Man hört immer mehr Warnungen, dass dann die Corona-​Zahlen so rasant steigen könnten und erneut mit massiven Einschränkungen zu rechnen ist. Aber muss das wirklich sein? Kann die Gesellschaft nicht vorher und auf andere Art auf die Bremse treten? Damit beschäftigen sich diese Woche die Marginalien der Remszeitung, die Sie auch hier online und kostenlos lesen können.

Sonntag, 05. September 2021
Gerold Bauer
2 Minuten 41 Sekunden Lesedauer

Den gleichen Fehler nicht wiederholen

Es wird ja immer noch schwadroniert, wenn es um den Nutzen oder Gefahren von Corona-​Impfungen geht. Egal was die Rems-​Zeitung zu diesem Thema publiziert — es ruft auf der Online-​Plattform „facebook“ immer wieder Leute auf den Plan, die vor Gefahren einer Impfung warnen oder mit Zahlenspielen vor Augen führen wollen, dass man sich alle Maßnahmen eigentlich hätte sparen könnte. Zum Beispiel wird das Argument ins Feld geführt, dass im Vergleich zu 314 000 Einwohnern des Ostalbkreises die Zahl von „nur“ etwas mehr als 400 Corona-​Toten es doch nicht rechtfertige, dass man Menschen indirekt zu Impfungen zwingt. Wenn man Ungeimpften fast überall den Zugang erschwere, dann komme das ja einer Impfpflicht gleich, wird moniert.
Diese Argumentation „hinkt“ gleich in vielerlei Hinsicht. Es fängt schon damit an, dass man die – zugegeben – relativ überschaubare Zahl an Corona-​Toten ins Feld führt, um damit die Sinnlosigkeit von Anti-​Corona-​Maßnahmen wie Lockdown, Kontaktbeschränkung, Testpflicht oder Impfen anzuprangern.
Denn dabei wird ignoriert, dass die Pandemie in anderen Teilen der Welt – zum Beispiel in Brasilien – regelrecht gewütet und viele Opfer gefordert hat. Keineswegs nur die vielzitierten Senioren, die wegen Vorerkrankungen ohnehin keine lange Lebenserwartung mehr hatten. Man denke an die Bilder aus Italien, wo man zu Beginn der Pandemie fast nichts über Corona wusste und den Wert von Schutzmaßnahmen noch nicht richtig einschätzen konnte. Die Folge: Es wurden Tote mit Lastwagen abtransportiert. Es waren Bilder, die Erinnerungen an die Pest im Mittelalter wach werden ließen, als halbe Städte innerhalb kurzer Zeit ausstarben.
Dass es nun nicht zu diesen extremen Auswirkungen kam, ist in erster Linie dem Umstand zu verdanken, dass die Gefahr erkannt wurde und man reagiert hat. Hätte man alles einfach nur laufen lassen, würde sich in der Statistik des Ostalkreises die Zahl der Corona-​Todesopfer mit höchster Wahrscheinlichkeit in ganz anderen Dimensionen bewegen.
Dass die Impfung wirkt, hat sich sehr schnell daran gezeigt, dass in den zuerst geimpften Hochrisikogruppen die Inzidenz immer niedriger wurde, während sie in den jüngeren und ungeimpften Altersgruppen rasant nach oben kletterte. Es ist dem Impfschutz zu verdanken, dass sich der Corona-​Ausbruch mit zahlreichen Toten in einem Gmünder Pflegeheim nicht wiederholte, seit nahezu alle Heimbewohner geimpft sind. Dass weiterhin einzelne betagte Menschen in Pflegeheimen sterben, lässt sich mit nichts und durch niemanden verhindern. Manche sind eben schon so schwach, dass sie jeder starken Erkältung oder einen durch die Impfung deutlich abgeschwächten Corona-​Verlauf nichts mehr entgegensetzen können.
Was aber lernen wir aus den ganzen Erfahrungen, die wir seither gemacht haben? Zunächst einmal haben wir gelernt, dass ein Lockdown weh tut; seelisch genauso wie wirtschaftlich. Und dass wir ihn daher mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vermeiden müssen. Der oberste Klinikarzt im Ostalbkreis, Prof. Dr. Solzbach, mahnte vor einem Jahr an, dass sich ein Lockdown vermeiden ließe, wenn sich die Menschen diszipliniert verhalten. Ein kleiner Verzicht für den Einzelnen bedeutet einen großen Gewinn für die Allgemeinheit – so war seine Botschaft zu interpretieren.
Nun sind wir ein Jahr älter und hören erneut Stimmen von Experten, die vor am Beginn der „Erkältungszeit“ davor warnen, dass es einen neuen Lockdown geben könnte, wenn man nicht beim Impfen so richtig Gas gibt (und parallel das Testen nicht vernachlässigt). Machen wir also den Fehler, den wir vor einem Jahr gemacht haben, jetzt nicht noch einmal! (meltemi)

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