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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Marginalie: Eine Frage des Geldes

Grafik: RZ-​Archiv

Welcher Wohnraum ist bezahlbar? Antwort: Es kommt auf den Geldbeutel an. Man kann die Frage auch so formulieren: Bezahlbarer Wohnraum – wer kann ihn sich noch leisten?

Sonntag, 15. Januar 2023
Alexander Gässler
2 Minuten 9 Sekunden Lesedauer

Was zynisch klingt, ist bittere Wahrheit: Bezahlbarer Wohnraum ist nicht billig zu schaffen. Und auch nicht billig zu haben. Im Gegenteil. Fachleute wie Kreisbau-​Chef Nikolaus Ebert erwarten, dass nach den Baukosten bald die Mieten steigen. Also, was tun?

Der Deutsche Mieterbund schlägt Jahr für Jahr Alarm. Diesmal warnt er vor einem „ungeahnten Desaster auf dem Wohnungsmarkt“. Kommentatoren überschlagen sich. „Eine soziale Katastrophe erscheint unabwendbar“, schreibt zum Beispiel die Süddeutsche Zeitung. Die Wohnungsnot sei so groß wie vor 30 Jahren nicht. Und: Sie komme in der Mittelschicht an.

Wie groß ist die Katastrophe wirklich? Wie viel sozialer Wohnraum fehlt in Gmünd und Umgebung? Schwierig zu sagen. Fakt ist: Die Maßnahmen für mehr bezahlbaren Wohnraum, die der Gemeinderat im Dezember 2020 beschlossen hat, haben wenig gefruchtet. Auf dem freien Markt – so wird behauptet – wurde deshalb keine einzige bezahlbare Wohnung geschaffen.

Eine Taskforce „Bezahlbarer Wohnraum“ hat sich die Maßnahmen damals ausgedacht. Was gut gemeint war, hat wenig gebracht. Und deshalb soll es jetzt Stimmen in der Stadt geben, die sagen: Haken wir das ab. Setzen wir das aus. Warten wir ab, was von oben kommt. Zumal es Investoren und Bauträgern ja nur noch mehr Knüppel zwischen die Beine wirft.

Das wurde damals beschlossen: 15 Prozent der Neubauwohnungen sollen 33 Prozent unterhalb der ortsüblichen Vergleichsmiete vermietet werden. Voraussetzung: Der Investor hat ein städtisches Grundstück gekauft oder die Stadt hat einen Bebauungsplan für das Vorhaben entwickelt. „Zum Dank“ darf er dann bezahlbare Wohnungen schaffen. Nur, das ist halt leider nicht passiert.

Die Stadt selbst macht sich einen schlanken Fuß dabei. Aber wer ernsthaft preiswerten Wohnraum fordert, muss auch etwas dafür tun. Zum Beispiel Geld in die Hand nehmen. Es könnte in Form eines städtischen Zuschusses fließen, wenn ein Investor Wohnungen im niedrigen Preissegment schafft. Entweder gleich in Summe oder als Nachlass beim Verkauf eines städtischen Grundstücks.

Das wäre dann glaubwürdiger. Ebenso, wie die Dinge beim Namen zu nennen. Konsequent wäre, wenn Investoren in Gmünd eine Sozialquote erfüllen müssten. Zum Beispiel: Ein Viertel aller Neubauwohnungen muss gefördert sein. Eine solche Verpflichtung könnte den sozialen Wohnungsbau in der Stadt ankurbeln. Mancher wird da freilich sagen: Dann baut ja gar keiner mehr.

Das Bündnis „Soziales Wohnen“ hat diese Woche einen „Extraschub“ gefordert – einen „Bau-​Booster“ für den sozialen Wohnungsbau. Das wird auch mit der „Rekord-​Zuwanderung“ begründet, die zu einem „Rekord-​Wohnungsmangel“ führen werde. Aber genügt es mit den bekannten Rezepten weiterzumachen? Wohl kaum.

Städte müssen grüner werden, dichter besiedelt und menschenfreundlicher – weniger Verkehr, weniger Büros. Ecken, die veröden, können fürs Wohnen zurückerobert werden. Die Realität sieht freilich so aus: Immer weniger Menschen leben auf immer größerem Raum. Das muss sich wieder umkehren. „Einfamilienhaus-​Steppen“ in den Dörfern sind kein Modell der Zukunft. Finanzierbar ist der Traum von Eigenheim derzeit ohnehin nicht.

Die Idee vom Stadteingang Gmünd West zielt übrigens in die richtige Richtung – ein neues, grünes, lebendiges, innenstadtnahes Quartier. Nur schafft es leider nicht den Wohnraum, den es jetzt so dringend braucht. (Bernie Gunther)

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