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Nachrichten Mutlangen

Stauferklinikum: Manche Klinik-​Ideen für Mutlangen sind eher Träume

Foto: ak

Bei der gemeinsamen Klinik-​Sitzung der Gemeinderäte von Gmünd und Mutlangen wurden Visualisierungen präsentiert, die wunderbar aussehen. Allerdings haben die meisten Mitglieder der Gremien schnell erkannt, dass dies keine Basis für die Planung sein kann.

Donnerstag, 14. März 2024
Gerold Bauer
2 Minuten 16 Sekunden Lesedauer

„Es geht darum, herauszufinden, was möglich ist – was dann tatsächlich kommt, wissen wir Stand heute noch nicht!“ Mit diesen Worten brachte die Mutlanger Bürgermeisterin Stephanie Eßwein auf den Punkt, was aktuell das Gebot der Stunde ist, um das Stauferklinikum in Mutlangen schon jetzt auf die Zeit ab 2036 vorzubereiten. Denn wenn alles nach Plan läuft, nimmt in jenem Jahr die Regionalversorger-​Klinik in einem Neubau in Essingen den Betrieb auf.
Die bundesweit schon recht konkreten Vorgaben für das Leistungsspektrum von lokalen Kliniken für die Grundversorgung und zentralen Kliniken für die Regionalversorgung blieben in der präsentierten Betrachtung aus Sicht der Architekten weitgehend unberücksichtigt. Diese Ideen wurden daher von Oberbürgermeister Arnold und Bürgermeisterin Eßwein, aber auch vom Gremiumsmitgliedern in Statements relativiert.

Die Rems-​Zeitung berichtet in der Freitagausgabe nochmals ausführlich über die Inhalte des Architekten-​Vorschlags sowie über die Statements dazu. Den RZ-​Kommentar zum Thema können Sie hier kostenlos und in voller Länge lesen!

Die Kurve gekriegt

Um das Stauferklinikum für die Zukunft fit zu machen, darf nicht Wunschdenken die Marschrichtung bestimmen.

Von Gerold Bauer

Das hat wohl jeder schon erlebt: Die Bilder auf der Speisekarte oder die Präsentation über der Theke im Schnellrestaurant sehen super aus und lassen einem das Wasser im Mund zusammen laufen. Man kann es kaum erwarten, das entsprechende Gericht endlich auf dem Teller zu haben. Und dann passiert es: Was tatsächlich serviert wird, ist nur eine sehr blasse Kopie von dem, was in Aussicht gestellt wurde. Eine solche Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit prägte die Vorstellung der Ideen für das Stauferklinikum
Zweifelsohne sah alles, was die Planer offerierten, sehr verlockend aus. Ein Campus mit vielen großen Bäumen, begrünten Dächern und Einrichtungen für die künftige klimaschonende Mobilität. Dazu Bilder von High-​Tech-​Diagnose-​Geräten. Wer würde da nicht ja sagen, wenn es eine echte Chance gäbe, all das genau so zu realisieren? Das Problem dabei, und dies hat Gemeinderätin Melanie Kaim sehr treffend formuliert: Wenn das medizinische Konzept für den Regionalversorger steht, dann muss man in Mutlangen mit dem zufrieden sein, was die zentrale Klinik nicht bietet.
Dies gilt ganz Besonders nur für klassische Klinik-​Angebote. Vieles davon wird man ab 2036 sicherlich nicht doppelt oder gar dreifach im Ostalbkreis anbieten – sonst könnten sich Bund, Länder und Kreise ja den Aufwand mit der Klinik-​Reform sparen.
Einen ganz wichtigen Aspekt hat der Arzt und Kommunalpolitiker Dr. Jens Meyer in die Diskussion eingebracht: Wenn man über Hilfsfristen spricht, hat es wenig Sinn, dabei nur die Erreichbarkeit des nächsten Krankenhauses im Blick zu haben. Denn eine Klinik sei zunächst mal nur ein Gebäude – und erst die entsprechende Ausstattung entscheide darüber, ob einem Patienten oder Unfallopfer dort überhaupt geholfen werden kann.
Taucht man etwas tiefer in das Thema ein, erkennt man, dass es in Sachen Kliniken um sehr komplizierte Sachverhalte geht, für die es keine einfachen Antworten gibt und bei denen Stammtisch-​Parolen nicht helfen – am allerwenigsten den Patienten. Man muss Richard Arnold, Stephanie Eßwein und den Gemeinderäten von Gmünd und Mutlangen da ein Kompliment machen. Sie haben sich nicht von der bunten „Speisekarte“ blenden lassen, sondern die Kurve gekriegt zurück zur Realität.

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