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Nachrichten Schwäbisch Gmünd

Marginalie: Elefantöse Globetrotter

Foto: Pixabay/​designpoint

Elefanten auf der Ostalb? Wenn es nach Botswanas Präsidenten ginge, könnte dieses Szenario real werden. Wie das aussähe und warum sich die Dickhäuter hier durchaus wohlfühlen würden, erörtert die wöchentliche Marginalie in der Rems-​Zeitung.

Sonntag, 14. April 2024
Sarah Fleischer
2 Minuten 19 Sekunden Lesedauer

Schwäbisch Gmünd in ein paar Jahren: Aus dem Morgennebel, der von der Rems aufsteigt, schälen sich massige Gestalten. Langsam, aber zielstrebig durchschreiten sie wie graue Schatten im Passgang die Altstadt. Die wenigen Fußgänger, die zu dieser Zeit schon auf der Straße sind, bleiben entweder mit offenen Mündern stehen oder verdrücken sich in enge Seitengassen. Wundersamerweise vollzieht sich die stille Prozession fast lautlos, nur ab und an ist ein schwaches Grummeln zu hören. Eine kleine Herde afrikanischer Elefanten zieht durch die Stadt: zwar nur ein kleiner Teil der 20.000 Tiere, die Botswanas Präsident seinerzeit der Bundesrepublik zum Geschenk gemacht hat, aber dennoch Ehrfurcht einflößend. Die meisten haben sich am Niederrhein angesiedelt, wo die jahreszeitlichen klimatischen Schwankungen am geringsten sind, aber Elefanten sind migrantische Tiere. Eine kleinere Population hat sich im Schwäbisch-​Fränkischen Wald niedergelassen. Sie sind dabei, die Landschaft kräftig umzubauen. Zu sehen bekommt man sie nicht oft, nur gelegentlich ist ein langgezogenes Tröten zu hören (kein sich selbst respektierender Elefant hat jemals „Töröööö“ gesagt, stattdessen dringt manchmal so etwas wie „Uüüüüüchz“ durch die Flur).
Auch wenn das Klima hierzulande noch(!) kühler ist als in Afrika: Es ist durchaus möglich, dass Elefanten hier heimisch werden können. Geologisch gesehen ist es auch noch gar nicht lange her, dass Elefanten in unseren Breiten gelebt haben. In Mitteleuropa waren Mammuts noch bis zum Ende des Pleistozäns vor etwa 13.000 Jahren verbreitet. Mammuts zählen zur Familie der echten Elefanten und werden als Schwestergruppe der heute noch existierenden Gattung Elephas, des Asiatischen Elefanten, gewertet. Der Vorfahre der Mammuts, der sogenannte Südelefant Archidiskodon meridonialis, verbreitete sich vor etwa 1,5 Millionen Jahren durch Migration von seiner afrikanischen Heimat über ganz Eurasien und wanderte über die damals vorhandene Bering-​Landbrücke sogar in Nordamerika ein. Ein elefantöser Globetrotter! Praktisch alle Mammut-​Arten lassen sich auf den Südelefanten zurückführen, weshalb er heute der Gattung Mammuthus zugerechnet wird.
Wie sehr die Elefanten die Frühmenschen fasziniert haben, zeigt die Eiszeitkunst, die vor allem auch auf der Schwäbischen Alb entdeckt wurde. Geschnitzte Darstellungen der gewaltigen Tiere sollten den Jagderfolg günstig beeinflussen und zum Überleben des Stammes beitragen. Umstritten ist, wie stark die Bejagung durch die frühen Menschen zum Aussterben der Mammuts beigetragen hat. Fossile Überreste von der Wrangel-​Insel, auf der das Wollhaarmammut noch bis vor etwa 4000 Jahren überlebt hatte, zeigen, dass die verbliebene insulare Population stark durch Inzucht belastet war. Die ungünstigen genetischen Veränderungen haben daher wohl genauso zum Verschwinden der Tiere beigetragen wie die Jagd durch den Menschen. Auf Sizilien und anderen Mittelmeerinseln waren zudem bis vor etwa 100.000 Jahren kleine Formen der Art Palaeloxodon falconeri mit Schulterhöhen von bis zu einem Meter heimisch, für die eine Verwandtschaft mit dem modernen afrikanischen Waldelefanten Loxodonta cyclotis angenommen wird. Elefanten dieser Größenordnung hätte man also fast als Haustiere halten können. Insofern ist es also gar nicht so unrealistisch, dass die geschenkten Dickhäuter auch in unseren Breiten wieder heimisch werden und zu der fröhlichen „Dschungelbuch“-Melodie „Stets ein Lied beim Marsch parat /​Das ist wichtig, Kamerad /​Schmettert im Choral /​Über Berg und Tal /​Üüüüchz /​Wenn die Frühpatrouille naht“ durch die Wälder ziehen.

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