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Kommentar zur Windkraft in Heubach: Energiewende muss im Kopf beginnen

Foto: gbr

Keiner will Atomkraftwerke in seiner Nähe, aber Windkraftanlagen werden ebenfalls als störend empfunden. Mit dieser Geisteshaltung funktioniert die Gesellschaft allerdings nicht — und dies gilt auch für die Diskussion um weitere Windräder in Heubach. Die RZ hat das im Hinblick auf die Informationsveranstaltung am Mittwoch kommentiert. Lesen Sie diesen Kommentar hier gratis und in voller Länge:

Freitag, 26. April 2024
Gerold Bauer
1 Minute 51 Sekunden Lesedauer

Kommentar
Die Energiewende muss im Kopf beginnen
von Gerold Bauer
Keiner will Atomkraftwerke in seiner Nähe, aber Windkraftanlagen werden auch als störend empfunden. Mit dieser Geisteshaltung funktioniert die Gesellschaft nicht.Der Bürgermeister sieht die Windkraft als Chance, der Regionalverband erklärt die lokale Realisierung der landespolitischen Ziele; der Landrat warnt vor kleingeistigem Egoismus und die EnBW liefert technische und finanzielle Details. Im Gegenzug argumentieren einige Bürgerinnen und Bürger mit dem Arten– und Landschaftsschutz, um ihre Ablehnung der Windkraft dort zu begründen. Das war bei der Veranstaltung in Heubach auch genau so zu erwarten.
Was aber nicht erklärt wurde: Dienen die im geplanten Gebiet platzierten Windräder ausschließlich dazu, das technisch und wirtschaftlich fragwürdige Wasserstoff-​Projekt im Gebiet Aspen mit Strom zu versorgen? Und: Gäbe es auch eine Vergütung für die Kommune, wenn der Windstrom dort direkt eingespeist würde? Völlig unerwähnt blieb zudem das Energiesparen als Energiequelle! Energie, die gar nicht verbraucht wird, muss nicht erzeugt werden, schadet der Umwelt nicht, braucht keine technische Aufrüstung und kostet weder Staat noch Verbraucher etwas.
Dass man erneuerbare Energien erschließen muss, steht außer Frage. Aber wenn wirklich alle bei sich selbst anfangen und weniger verbrauchen würden, käme man dem Klimaziel schneller nahe. Die gleichen Leute, die im Winter 22 Grad zu kalt finden und den Heizkörper voll aufdrehen, finden im Sommer 25 Grad unerträglich und schalten die Klimaanlage ein – die im Gegensatz zum Namen keineswegs einen Beitrag zum Klimaschutz leistet, sondern ein „Energiefresser“ ist. Statt die geniale Kombination von Sonnen– und Windenergie in Form einer Wäscheleine zu nutzen, wird in vielen Haushalten die Wäsche lieber in den Trockner gestopft. Die Sorgen wegen des Energiemangels im Zuge des Ukraine-​Kriegs scheinen schon vergessen zu sein.
Ob im Verkehr, im Gesundheitswesen oder bei der Energie – jede Wende muss zunächst in den Köpfen beginnen und eine Verhaltensänderung bewirken. Nicht nur in der Politik, sondern auch bei Bürgerinnen und Bürgern. Dazu gehört die Erkenntnis, dass man zuerst etwas hergeben muss, um langfristig etwas zu bekommen.
Wer keine Atomkraftwerke will (und schon gar nicht dort, wo er wohnt), aber trotzdem wie üblich Strom aus der Steckdose nutzen möchte, muss auf die eine oder andere schöne Aussicht verzichten. Jahrzehnte des Wohlstands haben offenbar vergessen lassen, dass eine Gesellschaft nicht existieren kann, wenn alle nur Ansprüche stellen, aber selbst keinen Beitrag leisten wollen.

Die Hintergründe für den Kommentar finden Sie hier.

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