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Nachrichten Ostalb

Klinik-​Debatte: Die halbe Transparenz

Foto: tv

Transparenz in die Debatte rund um die Kliniken Ostalb zu bringen, ist das Ziel von Landrat Joachim Bläse bei einem Pressegespräch in der vergangenen Woche. Mehr als zwei Stunden dauern die Erläuterungen. Gegen Ende fällt ein bemerkenswerter Satz. Er dokumentiert eine Intransparenz bei einem Milliardenprojekt.

Mittwoch, 25. Mai 2022
Thorsten Vaas
2 Minuten 15 Sekunden Lesedauer

Bürgerinnen und Bürger wie Kreistagsmitglieder und Medien fordern Offenheit von der Verwaltung. Schließlich geht es um die Frage, was mit den Kreiskliniken geschieht. Werden aus drei bald zwei Kliniken? Oder verschmelzen alle drei zu einem Zentralklinikum? Und vor allem: Was sind die Folgen der verschiedenen Optionen für die Bevölkerung? Mehrmals betont Landrat Joachim Bläse an jenem Freitag, dass die Journalisten hören, was den Kreisrätinnen und –räten Anfang Mai präsentiert wurde: Die Hintergründe der Klinikdebatte, ein Zwischenstand aus Argumenten und Schaubildern, die die Akteure des Landratsamts, des Klinikvorstands und der Beraterfirma hcb für den Kreistag zusammengestellt haben und verdeutlichen sollen, warum man handeln muss. „Das sind die Dinge der Ausgangslage, warum wir der Ansicht sind, dass es so nicht weitergeht. Sie werden nachher rausgehen und denken, dass Sie in der Verwaltungsratssitzung dabei waren, die damals nichtöffentlich war“, sagt er zu den Journalisten, die mehr über die Klinik-​Debatte berichten wollen. Eine Frage, die die Journalisten für die Menschen im Ostalbkreis beantworten wollen, ist beispielsweise, was mit Rettungszeiten passiert. Die Antwort darauf gibt es an diesem Tag nicht. Erneut fehlen Informationen.
61 Folien über die „Herausforderungen und Handlungsoptionen für die Gesundheitsversorgung im Ostalbkreis“ werden präsentiert. „Wir müssen viel mehr in die Öffentlichkeitsarbeit gehen und informieren, warum wir dies tun. Deshalb auch dieses Pressegespräch und das Vorstellen Folie für Folie, die wir in der nichtöffentlichen Sitzung vorgetragen haben“, sagt der Landrat und berichtet, dass die Fraktionen ihn gebeten hätten: „Bevor jeder einzeln versucht zu erklären, warum wir uns auf den Weg machen – bitte zeigen Sie, Herr Landrat, der Presse alles und auch alle Folien.“ Nach knapp zwei Stunden Präsentation erläutert die Presseabteilung der Kliniken die Transparenz-​Strategie. „Es ist nicht so, dass die Folien gleich verstanden werden“, sagt Kliniksprecher Ralf Mergenthaler, weshalb man die Konsequenzen daraus erklären und in verdaulichen Häppchen aufbereiten wolle, damit sich Bürgerinnen und Bürger nach den Pfingstferien informieren und Fragen stellen können. Mergenthalers Kollege Andreas Franzmann ergänzt: „Es gibt einen gewissen Informationsvorteil für die, die entscheiden müssen. Das ist richtig so.“ Die Themen, bei denen es in der Klinik-​Debatte geht, seien nicht so einfach, sie in drei Sätzen zu erklären. Dann fällt ein bemerkenswerter Satz: „Es ist eine gewisse Herausforderung, diese 100 Folien in möglichst prägnanter Sprache auch jedem kundzutun“, sagt Franzmann. 100 Folien? Auf den Pressetischen liegen nur 61 Folien. Hat sich Franzmann vertan? Recherchen der Rems-​Zeitung belegen: Gegenüber Journalisten geht es intransparent zu. Mehrere Quellen bestätigen, dass die Präsentation Anfang Mai für den Kreistag 105 Folien umfasst hat.

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